Innerhalb weniger Stunden formierte sich ein breiter Widerstand gegen die Pläne der FIFA, Anteile an der Organisation kommender Weltmeisterschaften über eine neue kommerzielle Einheit zu vermarkten. Die Entscheidung mehrerer Kontinentalverbände gegen den Vorstoß bedeutet einen deutlichen Dämpfer für Präsident Gianni Infantino und sein Vorhaben, die FIFA durch Kapital von außen zu stärken.
Die Oppositionsfront
Die 55 Mitgliedsverbände der UEFA hatten bereits deutlich Position bezogen und mit einem Boykott gedroht. Kurz darauf schlossen sich mit den Verbänden aus Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF) sowie aus Asien (AFC) weitere wichtige Blöcke an. Zusammen bringen diese Stimmen eine Summe weit oberhalb der für Entscheidungen benötigten einfachen Mehrheit.
„Niemand verkauft den Fußball“, beteuerte der Weltverband.
Die FIFA verteidigte ihren ursprünglich angekündigten Konsultationsprozess und versuchte, die Vorwürfe zu relativieren: Man wolle die Mitgliedsverbände umfassend informieren, damit jede Stimme auf der Basis "tatsächlicher Fakten" abgegeben werden könne. Zugleich legte die Organisation dar, dass die vorgeschlagene FIFA Forward Enterprise (FFE) einzig den Zweck habe, kommerzielle Möglichkeiten für alle Mitgliedsverbände stärker nutzbar zu machen.
Fakten auf einen Blick
- UEFA: 55 Mitgliedsverbände
- CONCACAF: 35 Mitgliedsverbände
- AFC: 46 Mitgliedsverbände
| Kontinentalverband | Stimmen (Mitgliedsländer) |
|---|---|
| UEFA | 55 |
| CONCACAF | 35 |
| AFC | 46 |
| Summe | 136 |
| Einfaches Mehr | 106 |
Politische und sportliche Konsequenzen
Die Ablehnung durch eine solche Mehrheit bedeutet, dass Infantino die notwendige Zustimmung für seinen Plan, über die FFE mehr als vier Milliarden US-Dollar einzusammeln und die WM künftig unter der neuen Struktur organisieren zu lassen, nicht sicher hat. Die FIFA hatte eine Frist bis zum 19. September gesetzt und im Gegenzug Sonderzahlungen in Aussicht gestellt. Kritiker sehen darin Druckmittel gegenüber kleineren Verbänden.
Praktisch steht der Weltverband nun vor mehreren Optionen: den Vorschlag in der vorliegenden Form überarbeiten, neue Erklärungen und Garantien zur Souveränität der Verbände abgeben oder den Prozess vorerst stoppen. Für die europäischen Fußballverbände sowie die US-amerikanischen und asiatischen Verbände ist klar: Grundlegende Änderungen an der Eigentümerstruktur von Weltmeisterschaften sind nicht ohne die breite Zustimmung der Mitgliedsländer durchsetzbar.
Diese Entwicklung eröffnet auch eine Debatte über Governance, Transparenz und die Rolle externer Investoren im Fußball. Sollte die FIFA nachgeben, wäre das ein Sieg für die demokratischen Entscheidungsprozesse innerhalb des Verbandes. Ein Festhalten an den Plänen trotz massiven Widerstands würde dagegen den Konflikt mit großen Mitgliedern vertiefen und die Glaubwürdigkeit der Führung beschädigen.
Wie sich die Lage bis zur gesetzten Frist entwickelt, bleibt abzuwarten. Klar ist allein: Die Debatte um die Zukunft der WM ist damit in eine neue, offen ausgetragene Phase getreten – und die Karten sind neu gemischt.