Nach dem Anschlag am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin haben Vertreter der Politik unterschiedliche Prioritäten benannt: Während Hamburgs Justizsenatorin und Vorsitzende der Justizministerkonferenz, Anna Gallina (Grüne), auf eine umfassende Analyse der Vorgänge pocht, verlangt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) zügig strengere Instrumente im Umgang mit Gefährdern.
Forderung nach gründlicher Aufarbeitung
Gallina betonte gegenüber den Funke-Medien, dass nach dem mutmaßlich islamistischen Anschlag zunächst eine sorgfältige Aufarbeitung stehen müsse, bevor man rechtspolitische Schlüsse ziehe. Sie verwies darauf, dass Deutschland bereits über ein breites Instrumentarium der Strafverfolgungsbehörden und der Gerichte verfüge und zunächst zu klären sei, ob diese Mittel angewandt worden seien. Die Senatorin hob hervor, dass die Einschätzung einer Gefährdungslage stets mit Restunsicherheiten behaftet sei.
„Nach diesem schrecklichen islamistischen Anschlag muss aus meiner Sicht eine intensive Aufarbeitung an erster Stelle stehen, bevor wir rechtspolitische Schlüsse daraus ziehen“
Innenminister fordert härteren Kurs
Dem gegenüber steht die Forderung des Bundesinnenministers nach einer Verschärfung der Maßnahmen gegen sogenannte Gefährder. Dobrindt bezeichnete die Anwendung des Jugendstrafrechts bei erwachsenen Gefährdern als "inakzeptabel" und befürwortete den verstärkten Einsatz von elektronischen Fußfesseln sowie eine bundeseinheitliche Regelung zur Präventivhaft. In Fernsehsendungen und Interviews betonte er die Notwendigkeit einer einheitlichen Handhabung in den Polizeigesetzen der Länder.
Bekannte Fakten zum Tatgeschehen
Nach den bislang vorliegenden Angaben handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen 21-jährigen Deutschen mit libanesischen Wurzeln. Er soll am Samstagabend mit einem Van Menschen angefahren und anschließend mit einer Stichwaffe attackiert haben. Bei der folgenden Festnahme wurde der Beschuldigte von Einsatzkräften erschossen.
- 1 tote Person (weibliche Person aus Polen)
- 29 teils lebensgefährlich Verletzte
- Täter bei Festnahme erschossen
| Datum | Opfer (bekannt) | Täter |
|---|---|---|
| Samstagabend (CSD) | 1 Tod, 29 Verletzte | 21-jähriger Deutscher, bei Festnahme erschossen |
Politische und rechtliche Einordnung
Die Debatte, die nun entbrannt ist, dreht sich um zwei Ebenen: Zum einen um die unmittelbare kriminal- und sicherheitspolitische Bewertung der Tat, zum anderen um längerfristige rechtspolitische Konsequenzen. Gallinas Mahnung zur Aufarbeitung zielt darauf ab, Erkenntnisse aus dem konkreten Fall systematisch zu ermitteln, bevor strukturelle Änderungen vorgeschlagen werden. Dobrindts Forderungen reflektieren hingegen eine politische Erwartung, rasch Instrumente zur Gefahrenabwehr zu verschärfen, insbesondere im Umgang mit als gefährlich eingestuften Personen.
Welche Maßnahmen politisch und rechtlich umgesetzt werden, hängt nun sowohl von den laufenden Ermittlungen als auch von der Bewertung vorhandener rechtlicher Möglichkeiten ab. Entscheidend wird sein, ob die vorhandenen Instrumente tatsächlich zur Anwendung kamen und ob aus den Ermittlungsbefunden eindeutige Schlussfolgerungen für eine Gesetzesänderung ableitbar sind.