Warum Krankenhäuser für das Klima relevant sind
Der Gesundheitssektor Österreichs trägt nach aktuellen Schätzungen etwa 7 % zum nationalen CO2-Ausstoß bei. Damit sind Spitäler, Ordinationen, Reha- und Pflegeeinrichtungen nicht nur Versorger, sondern auch relevante Emittenten – vor allem wegen ihres durchgängigen 24-Stunden-Betriebs sowie des hohen Verbrauchs an Energie und Wasser.
Mehr als Solarzellen: das Programm der GÖG
Das Projekt „Beratung klimafreundliche Gesundheitseinrichtungen“ der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG), das im Herbst 2022 gestartet wurde, verfolgt einen umfassenderen Ansatz als einzelne technische Maßnahmen. Dazu zählen:
- Energieeffiziente Gebäude mit guter Dämmung und intelligenter Steuerung;
- Wärmerückgewinnung und optimierte Versorgungstechnik;
- nachhaltige Beschaffung und Reduktion von Einwegmaterialien;
- ein Abfallmanagement, das Verpackungen und Ressourcenverbrauch vermindert;
- Förderung grüner Mobilität für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter;
- Verminderung klimawirksamer Narkosegase und Optimierung der Logistik.
Reichweite und Praxiserfahrungen
Seit dem Start nehmen nach Angaben der GÖG bereits Hunderte Einrichtungen österreichweit am Programm teil: vom großen Krankenhaus über Reha- und Pflegeheime bis hin zu Arztpraxen und Apotheken. Das Interesse ist demnach groß, auch aus dem Ausland gibt es Nachfragen.
Spannungsfeld Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit
Historisch stand die unmittelbare Heilung im Vordergrund, teils auf Kosten ökologischer Überlegungen. Angesichts der gesundheitlichen Folgen des Klimawandels hat sich die Perspektive verschoben: Umweltschutz gilt zunehmend als Bestandteil von Gesundheitsvorsorge. Gleichwohl bleiben Zielkonflikte: Sicherheit, Hygiene und die Verfügbarkeit medizinischer Verbrauchsmaterialien sind unverzichtbar, was einfache Umstellungen erschweren kann.
Was es nicht schafft: Symbolpolitik
Die Expertinnen im Beitrag betonen, dass einzelne Maßnahmen wie eine Photovoltaikanlage auf dem Spitalsdach symbolisch wirksam, aber allein nicht ausreichend sind, um ein wirkliches "Green Hospital" zu schaffen. Nachhaltigkeit erfordere eine Kombination aus baulichen Verbesserungen, veränderten Prozessen und einer langfristigen Beschaffungsstrategie.
Konsequenzen für Politik und Praxis
Vor dem Hintergrund der politischen Zielsetzung, klimaneutral bis 2040 zu werden, bedeutet das für Verantwortliche in Gesundheitseinrichtungen: systematische Planung, Investitionen in Gebäudetechnik und Schulung des Personals. Für die Gesundheitspolitik ergibt sich die Aufgabe, geeignete Fördermechanismen zu setzen und regulatorische Rahmenbedingungen anzupassen, damit nachhaltige Investitionen möglich und wirtschaftlich tragbar sind.
| Indikator | Wert / Relevante Angabe |
|---|---|
| Anteil am nationalen CO2-Ausstoß | ~7 % |
| Start des GÖG-Projekts | Herbst 2022 |
| Klimaziel Bundesregierung | Klimaneutralität bis 2040 |
Im aktuellen Beitrag der Sendung „Am Puls“ beleuchtet Ronny Tekal mit Fachleuten, darunter Ruperta Lichtenecker (GÖG) und Christina Kastner-Frank (Arbeitsmedizin), wie aus der medizinischen Versorgung heraus nachhaltige Veränderungen möglich sind und welche Rolle Patientinnen und Patienten bei der Reduktion des ökologischen Fußabdrucks spielen können.
Die Debatte zeigt: Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen ist kein Luxusthema, sondern eine notwendige Ergänzung zur medizinischen Versorgung – mit Folgen für Planung, Investitionen und die tägliche Praxis in österreichischen Einrichtungen.