Gesundheit

Ernährung als Teil der Krebsbehandlung: Neues Weißbuch fordert strukturelle Verankerung

Ein aktuelles Weißbuch fordert, Ernährung systematisch in Diagnose, Therapie und Nachsorge bei Krebserkrankungen zu verankern. Die Krebshilfe warnt zugleich vor pauschalen "Krebsdiäten" und betont Risiken von Mangelernährung.

Ernährung als Teil der Krebsbehandlung: Neues Weißbuch fordert strukturelle Verankerung
©Illustration KI Sabine Nagl / steirerblatt.at

Weißbuch stellt Ernährung ins Zentrum onkologischer Betreuung

Ein neues Weißbuch, vorgestellt im Rahmen des Austrian Health Forum im Parlament, fordert, dass Ernährung künftig verbindlich in die Versorgungsabläufe von Krebspatientinnen und -patienten integriert wird. Erarbeitet wurde das Papier in einem mehrstufigen Expertenprozess; Auftraggeber war das Unternehmen Fresenius Kabi.

Warum Ernährung relevant ist

Die Autorinnen und Autoren des Weißbuchs betonen, dass Mangelernährung die Therapieverträglichkeit beeinträchtigen, Komplikationen fördern, die Lebensqualität mindern und sogar dazu führen kann, dass Behandlungen unterbrochen oder reduziert werden müssen. Vor diesem Hintergrund fordern Fachleute frühzeitige diätologische Begleitung und regelmäßige Kontrollen während der gesamten Behandlung und Nachsorge.

Warnung vor Mythen und "Krebsdiäten"

Die Österreichische Krebshilfe begrüßt das Weißbuch, mahnt aber zugleich zur Aufklärung gegenüber populären, aber unbelegten Ernährungsempfehlungen. Viele Betroffene suchten nach Möglichkeiten, aktiv zum Behandlungserfolg beizutragen. In diese Lücke drängten oft fragwürdige Diätkonzepte, die im schlimmsten Fall schaden.

"Die eine Krebsdiät gibt es nicht. Pauschale Vorgaben wie kein Zucker, keine Kohlenhydrate oder Fasten vor der Chemo sind gefährliche Botschaft"

Konkrete Forderungen des Weißbuchs

  • Systematische Einbindung von Ernährung in Diagnose, Therapie und Nachsorge
  • Frühe diätologische Betreuung bei Erstdiagnose
  • Regelmäßige Kontrollen, um Mangelernährung zu erkennen und zu behandeln
  • Sensibilisierung von Angehörigen und Fachpersonal für bedürfnisorientierte Unterstützung

Auswirkungen auf Versorgung und Praxis

Würde sich die Empfehlung in der Praxis durchsetzen, hätte das Konsequenzen für Kliniken, niedergelassene Fachkräfte und die Struktur der ambulanten Versorgung: Diätologinnen und Diätologen müssten früher und verlässlicher in interdisziplinäre Behandlungsteams eingebunden werden. Zudem wären standardisierte Screening-Verfahren sowie Nachsorgekonzepte erforderlich, um Mangelernährung zu vermeiden und Therapieabbrüche zu reduzieren.

Problem Folge
Mangelernährung Geringere Therapietoleranz, erhöhte Komplikationsrate, verminderte Lebensqualität
Pauschale "Krebsdiäten" Gefährdung der Patientinnen und Patienten durch ungeprüfte Empfehlungen

Das Weißbuch beleuchtet somit keinen Nebenaspekt, sondern adressiert einen zentralen Faktor für Behandlungsverlauf und Outcome in der Onkologie. Die Krebshilfe fordert gleichzeitig mehr Aufklärung, damit Betroffene und Angehörige zwischen evidenzbasierten Empfehlungen und potenziell schädlichen Diätmythen unterscheiden können.

Ob und wie die Empfehlungen des Weißbuchs in konkrete Politikmaßnahmen oder Versorgungsstandards umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Diskussionen im Parlament und in Fachkreisen dürften darüber entscheiden, ob Ernährung künftig verbindlich Teil der onkologischen Standardversorgung in Österreich wird.

Sabine Nagl
Sabine KI Redakteurin im Ressort Gesundheit online

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