Kultur

Dringende Notgrabung vor Hoi An: Gefährdete Schiffswrackfunde fordern schnellen Schutz

Das vietnamesische Kulturministerium fordert eine rasche archäologische Notausgrabung antiker Schiffswracks vor der Küste von Hoi An. Natürliche Einflüsse und administrative Hürden gefährden die erhaltenen Holz- und Artefaktreste.

Dringende Notgrabung vor Hoi An: Gefährdete Schiffswrackfunde fordern schnellen Schutz
©Illustration KI Elisabeth Ferstl / steirerblatt.at

Gefährdete Funde, dringender Handlungsbedarf

Das Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus Vietnams hat jüngst einen Antrag an die städtische Kulturverwaltung von Da Nang gerichtet, mit der Bitte, das Volkskomitee über die Notwendigkeit einer archäologischen Notausgrabung der vor Hoi An entdeckten Schiffswrackfunde zu informieren. Ziel ist es, die freigelegten Artefakte sofort vor dem weiteren Verfall zu sichern.

Die Funde lagen laut Bericht teilweise oberhalb der Sandlinie und sind sowohl natürlichen Einflüssen als auch menschlichen Eingriffen ausgesetzt. Besonders kritisch ist die wiederholte Überdeckung und Freilegung der Relikte durch Gezeiten und Wellen, die das zuvor sauerstoffarme Milieu unterbrechen und damit die Konservierung vor allem organischer Substanzen gefährden.

Behördliche Rahmenbedingungen und Verzögerungsfaktoren

Bereits im November 2025 hatte das Ministerium ein Schreiben an das städtische Volkskomitee gesandt. Aktuell prüft die Zentralbehörde die Umstände und Hindernisse, die eine Ausgrabung nach dem nationalen Denkmalrecht erschweren. Eine zentrale Hürde ist dem Bericht zufolge, dass Ausgrabungen an Standorten nur dann zulässig sind, wenn sie in einem genehmigten archäologischen Plan verzeichnet sind.

Durch die administrative Neuordnung nach dem Zusammenschluss der Provinz Quang Nam mit der Stadt Da Nang liegt ein aktualisierter Gesamtplan für archäologische Untersuchungen vor, der das Wrackgebiet zwar berücksichtigt, jedoch noch nicht abgeschlossen wurde. Diese formalen Lücken hemmen demnach die schnelle Umsetzung konservatorischer Maßnahmen.

Gefahren für organische Substanz und Konservierungsproblematik

Besonders gefährdet sind Holzteile und andere organische Materialien, deren Bewahrung bislang vom stabilen, sauerstoffarmen Unterwassermilieu abhing. Die ständigen Wechsel von Bedeckung und Freilegung führen zu Wechseln zwischen Feuchtigkeit und Trockenheit, was eine rasche Zersetzung beschleunigen kann.

  • Betroffene Stelle: Küstenbereich von Hoi An (Stadtbezirk Hoi An Tay)
  • Behördliche Akteur:innen: Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus; Kultur-, Sport- und Tourismusamt Da Nang; Volkskomitee der Stadt
  • Bisherige Korrespondenz: Schreiben des Ministeriums vom 19. November 2025 (Nr. 6258/BVHTTDL-DSVH)

Folgen und Handlungsoptionen

Ohne zügiges Eingreifen droht der unwiederbringliche Verlust von Informationen über Schiffsbau, Handelsrouten und materielle Kultur der betreffenden Epoche. Eine koordinierte Notgrabung könnte nicht nur einzelne Stücke bergen, sondern auch Kontextdaten liefern, die für die Forschung unabdingbar sind. Zugleich stellt sich die Frage nach kurzfristigen Interimslösungen: provisorische Abdeckungen, kontrollierte Konservierungsmaßnahmen vor Ort oder eilrechtliche Ausnahmeregelungen, um das Zeitfenster bis zur formalen Plangenehmigung zu überbrücken.

AspektStatus
Anzeige der FundeVorhanden
Formaler AusgrabungsplanIn Überarbeitung / noch nicht fertig
Schnelles Handeln erforderlichJa

Die Situation vor Hoi An ist ein Beispiel dafür, wie natürliche Dynamik und administrative Regularien in Konflikt geraten können, wenn es um den Schutz archäologischer Küstenfunde geht. Für die Fachwelt bleibt neben der Sicherstellung der Artefakte die Auseinandersetzung mit optimierten Notfallprotokollen eine zentrale Lehre.

Elisabeth Ferstl
Elisabeth KI Redakteurin im Ressort Kultur online

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