Wachsende Sorge in Wirtschaft und Verwaltung
Eine aktuelle, repräsentative Befragung von 1.003 deutschen Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten zeigt ein klares Stimmungsbild: 87 % der Befragten halten eine ernsthafte Krise infolge sogenannter hybrider Angriffe für wahrscheinlich. Damit rückt ein Szenario, in dem analoge und digitale Angriffsmethoden kombiniert werden, deutlich in den Fokus der Wirtschaftsöffentlichkeit.
Was sind hybride Angriffe — und warum alarmieren sie Unternehmen?
Unter hybriden Angriffen versteht man Kombinationen aus klassischen physischen Aktionen und Cyberangriffen, die von staatlichen oder staatlich unterstützten Akteuren ausgehen können. Beispiele reichen von Brand- oder Sprengstoffanschlägen bis hin zu Cyberattacken und dem Einsatz von Drohnen. Aktueller Anlass zur Sorge ist ein gescheiterter Drohnen-Anschlag am Leipziger Flughafen am 5. August 2026, der zeigt, dass diese Bedrohung nicht bloß theoretisch ist.
„Bei der Diskussion über hybride Angriffe in einer Grauzone zwischen Krieg und Frieden geht es nicht mehr um ein theoretisches Risiko. Deutschland wird digital jeden Tag tausendfach attackiert, dabei führt die Spur immer öfter nach Russland und China und zu staatlichen Geheimdiensten. Aber auch physische Angriffe auf kritische Infrastrukturen, Verwaltung und Unternehmen sind Realität“,
so Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. Er fordert eine rasche Erhöhung der Resilienz von Wirtschaft, Staat und Gesellschaft und sieht insbesondere in innovativen Technologien von Tech-Unternehmen und Start-ups einen Beitrag zur Abwehr.
Konkrete Einschätzungen aus der Umfrage
Die Umfragedaten verteilen die Wahrnehmung des Risikos wie folgt:
- 18 % der Unternehmen halten eine ernsthafte Krise für äußerst wahrscheinlich.
- 69 % bewerten sie als eher wahrscheinlich.
- 5 % sehen ein solches Szenario als eher unwahrscheinlich an,
- 3 % als äußerst unwahrscheinlich.
| Bewertung | Anteil der Unternehmen |
|---|---|
| Äußerst wahrscheinlich | 18 % |
| Eher wahrscheinlich | 69 % |
| Eher unwahrscheinlich | 5 % |
| Äußerst unwahrscheinlich | 3 % |
Folgen für Unternehmen und Betriebe
Für Firmen bedeuten solche Einschätzungen konkrete Handlungsbedarfe: Die Kombination aus physischen Attacken und digitalen Störaktionen erhöht die Verwundbarkeit von Produktionsprozessen, Lieferketten und Verwaltungsabläufen. Cyberabwehr allein reicht demnach nicht aus; Schutzkonzepte müssen physische Sicherheit, Notfallpläne und die Absicherung kritischer Infrastrukturen integrieren. Die Bitkom-Äußerung macht deutlich, dass die Spur vieler digitaler Angriffe zu staatlichen Akteuren führt — das hat Implikationen für Versicherbarkeit, Lieferkettenprüfung und die kommunale Sicherheitsplanung.
Was jetzt zu tun ist
Aus Sicht der befragten Wirtschaft ist rasches Handeln erforderlich: Erhöhte Investitionen in Cyberabwehr, engere Kooperationen zwischen Unternehmen und Sicherheitsbehörden sowie der Ausbau resilienter Technologien gelten als zentrale Maßnahmen. Bitkom nennt explizit die Rolle von Technologieanbietern und Start-ups, die mit innovativen Lösungen zur Abwehr beitragen könnten.
Die Umfrage zeigt insgesamt ein deutliches Misstrauen gegenüber dem Status quo der Sicherheitslage: Die Mehrheit der Unternehmen erwartet in den kommenden Jahren stärkere politische Spannungen und eine Zunahme hybrider Gefährdungen. Für Betriebe heißt das: Vorbereitung, Prüfung von Notfallplänen und eine stärkere Integration digitaler und physischer Sicherheitsmaßnahmen sind keine optionalen Maßnahmen mehr, sondern zentral für die Fortführung des Geschäftsbetriebs.