Als Vimla Chorotiya ins Spital gerufen wurde, wusste sie nicht, was auf sie zukam. "Sie sagten, mein Mann hatte einen Unfall. Als ich ihn endlich sehen durfte, brach ich zusammen." Ihr Ehemann, Govind Chorotiya, war tot. Nach Angaben der Ärzte erstickte der 36-Jährige an giftigen Gasen in einer Klärgrube in der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai. Die Arbeit, die ihn das Leben kostete, ist in Indien seit Langem verboten – und wird doch weiterhin praktiziert.
Ein Verbot auf dem Papier, Alltag in den Slums
Govind war Teil jener Menschen, die in engen, gefährlichen Gruben menschliche Fäkalien mit den Händen entfernen. Solche Einsätze enden immer wieder tödlich. Fast alle, die diese Arbeit verrichten, gehören den Dalit an, der Kaste, die in der traditionellen Hierarchie ganz unten steht und historisch als "unrein" galt. Auch wenn die indische Verfassung Benachteiligungen aufgrund der Kaste verbietet, bestimmt das Erbe des Kastensystems weiterhin sozialen Status und Alltag.
Persönliche Verluste, strukturelles Problem
Im Armenviertel Matunga Labour Camp in Mumbai gibt es in fast jedem Haushalt Personen, die diese verbotene Tätigkeit weiterhin ausüben. Vimla Chorotiya, Witwe des Verunglückten, staunte: Sie hatte geglaubt, ihr Mann sei Installateur gewesen. Nun ist er eines jener unsichtbaren Opfer.
"Ich bin davon ausgegangen, dass mein Mann Installateur ist."
Die Polizei berichtete, Govind und zwei Kollegen seien in eine Grube mit Fäkalien gefallen. Die Hausverwaltung einer privaten Wohnanlage hielt den Hergang für rätselhaft. Solche Vorfälle offenbaren jedoch eher ein Muster: Offizielles Verbot hin oder her, die Entsorgung von Exkrementen per Hand bleibt eine Realität – oft ohne Schutz, ohne Ausbildung, ohne Sicherheitsvorkehrungen.
Folgen und Perspektiven
- Menschenleben sind akut gefährdet durch giftige Gase und unhygienische Bedingungen.
- Die gesetzlichen Verbote greifen nicht ausreichend, wenn ökonomische Not und Kastenzwang weiter Druck ausüben.
- Diskriminierung und fehlende soziale Aufstiegschancen erzwingen riskante Tätigkeiten für ganze Familien und Gemeinden.
Die Tragödie um Govind Chorotiya steht exemplarisch für die Diskrepanz zwischen Verfassungsanspruch und gelebter Wirklichkeit. Solange Alternativen fehlen und gesellschaftliche Ausgrenzung bestehen bleibt, werden Menschen weiterhin gezwungen, den "Dreck der Gesellschaft" zu beseitigen – im wahrsten Sinne mit Händen, die nicht geschützt werden.
| Traditionelle Kasten | Rolle (traditionell) |
|---|---|
| Brahmanen | Priester |
| Kshatriyas | Krieger |
| Vaishyas | Händler |
| Shudras | Arbeiter |
| Dalit | traditionell als "unrein" betrachtet; oft Tätigkeiten zur Entsorgung von Abfällen |
Der Fall zeigt, wie lebensbedrohliche Arbeitspraktiken in städtischen Zentren fortbestehen, obwohl sie rechtlich untersagt sind. Die Frage bleibt, welche Maßnahmen Behörden und Gesellschaft ergreifen müssen, damit Verbote nicht nur auf dem Papier existieren, sondern Menschen wirklich schützen.