Der Österreichische Weinbauverband fordert angesichts eines schrumpfenden Rotweinmarkts eine Krisendestillation zur Umwandlung überschüssiger Ware in Industriealkohol. Betroffen seien insbesondere Rotweinregionen in Niederösterreich wie Carnuntum, das Pulkautal und die Thermenregion sowie Teile des Burgenlandes. Als Größenordnung für eine mögliche Maßnahme wird von dem Verband eine Menge von bis zu 10 Millionen Litern Rotwein genannt.
Warum die Maßnahme vorgeschlagen wird
Laut Verband leiden viele Kellereien unter sinkender Nachfrage: Der Rotweinkonsum sei rückläufig, gleichzeitig nehme der Anteil von Konsumentinnen und Konsumenten, die ganz auf Alkohol verzichten, zu. Das führt zu Engpässen beim Lagerplatz und zu einem wachsenden Überschuss. Die vorgeschlagene Krisendestillation würde nicht verkaufbare Bestände in industriell nutzbaren Alkohol umwandeln, der beispielsweise für medizinische Anwendungen oder als Reinigungsmittel genutzt werden kann.
Voraussetzung: EU-Genehmigung und Fördermittel
Entscheidend für die ökonomische Tragfähigkeit einer solchen Aktion ist die Zustimmung der Europäischen Union. Nur wenn die EU eine Krisendestillation genehmigt, steht die Möglichkeit offen, Gelder aus einem speziellen Krisentopf für die Landwirtschaft in Anspruch zu nehmen. Ohne diese Fördermittel wäre eine Destillation aus wirtschaftlicher Sicht kaum sinnvoll, so der Präsident des niederösterreichischen Weinbauverbands.
„Damit will man den Markt entlasten“, erklärte Reinhard Zöchmann und verwies zugleich auf die Notwendigkeit, zunächst das Ausmaß des Überschusses nach der Herbsternte zu prüfen.
Offene Fragen und nächster Schritte
Bevor ein Antrag gestellt wird, will der Verband zunächst die tatsächliche Überschusssituation nach der Ernte evaluieren. Die Unsicherheit steigt durch die Witterung: Trockenheit könnte Erntemengen beeinflussen und somit das Volumen an überschüssigem Rotwein reduzieren oder verändern. In Frankreich und Deutschland wurden vergleichbare Anträge bereits positiv entschieden, was als Hinweis dient, dass eine EU-Genehmigung möglich ist.
- Zielmenge: bis zu 10 Millionen Liter
- Verwendungszweck des Alkohols: medizinisch oder als Reinigungsmittel
- Voraussetzung: EU-Genehmigung für Fördermittel aus Krisentopf
Für Winzerinnen und Winzer wäre eine genehmigte Krisendestillation eine schnelle Möglichkeit, Lagerkosten zu senken und Marktpreise vor weiterem Druck zu schützen. Wirtschaftspolitisch stellt sich die Frage, inwieweit solche Notmaßnahmen langfristig die Struktur des Weinmarkts beeinflussen: Einerseits schaffen sie kurzfristig Entlastung, andererseits könnten sie Anreize setzen, Überproduktionen zu tolerieren, solange Rettungsmechanismen bereitstehen. Konkrete Entscheidungen sollen erst nach Auswertung der Herbsternte fallen; bis dahin bleibt die Lage für viele Betriebe unsicher.
| Aspekt | Stand |
|---|---|
| Vorgeschlagene Menge | bis zu 10 Millionen Liter |
| Regionen mit besonderem Druck | Carnuntum, Pulkautal, Thermenregion, Burgenland |
| Notwendige Bedingung | EU-Genehmigung für Krisendestillation und Fördermittel |