Aus der Berliner Kulturszene ertönt ein deutlicher Appell: Angesichts von Einschnitten und eines geschwächten öffentlichen Ansehens müsse die Politik ein klares Zeichen für die Kultur setzen. Diese Forderung formulierten ein früherer Kulturstaatssekretär und ein ehemaliger Opernintendant in einem Gastbeitrag im Tagesspiegel.
Kontext und Anliegen
André Schmitz und Dietmar Schwarz kritisieren, dass die Zukunft der Berliner Kultur im laufenden Wahlkampf kaum Thema sei. Sie sehen in der Kultur nicht nur ein künstlerisches Gut, sondern auch einen wirtschaftlichen und identitätsstiftenden Faktor für die Stadt. Vor diesem Hintergrund fordern sie eine stärkere politische Verankerung von Kulturförderung und eine Ausweitung der finanziellen Mittel.
Haushalt und Verhältnisse
Die Autoren verweisen auf konkrete Zahlen: Die Berliner Kulturausgaben beliefen sich zuletzt auf rund 950 Millionen Euro, bei einem Gesamthaushalt von etwa 45 Milliarden Euro — also knapp 2 Prozent. Zugleich räumen sie ein, dass die städtische Finanzlage schwierig sei. Dennoch argumentieren sie, dass dieser Anteil ein verhältnismäßig überschaubarer Einsatz sei, um eine dauerhafte Stärke Berlins zu sichern.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Kulturausgaben | 950 Millionen Euro |
| Gesamthaushalt | 45 Milliarden Euro |
| Anteil | ≈ 2 % |
Politische Beobachtungen
Schmitz und Schwarz bemängeln zudem, dass führende Wahlkämpfer die kulturelle Dimension Berlins in Gesprächen über Potenziale der Stadt nicht hinreichend berücksichtigen. Als Beispiel nennen sie den CDU-Spitzenkandidaten Stefan Evers, dem sie vorwerfen, Kultur in einem Interview nicht erwähnt zu haben. Die Autoren warnen, dass politische Programme, die Kultur ausblenden, die Entwicklung der Stadt gefährden könnten.
- Appell von zwei früheren Kulturverantwortlichen an die Politik
- Aktuelle Kulturausgaben: 950 Mio. € bei 45 Mrd. € Gesamtetat
- Forderung: Kultur als identitätsstiftender, wirtschaftlicher und international sichtbarer Faktor anerkennen
"Kultur ist kein Luxus. Sie ist Identität, Wirtschaftsfaktor und internationales Aushängeschild zugleich. Wer das erkennt und entsprechend handelt, stärkt nicht nur die Kunst, sondern die Zukunft Berlins."
Die klare Botschaft der beiden Autoren lautet: Wer regieren wolle, müsse nicht nur über Probleme sprechen, sondern die Stärken der Stadt weiterentwickeln. In ihrer Argumentation klingt die Überzeugung an, dass Investitionen in Kultur nicht bloß Ausgaben, sondern strategische Investitionen in die Zukunft einer Stadt seien — gerade in Zeiten knapper Kassen.
Welche Schlüsse die Parteien im Wahlkampf daraus ziehen, bleibt abzuwarten. Die Debatte legt jedoch nahe, dass Kulturpolitik mehr sein muss als Randnotiz: Sie ist, so die Forderung, ein Element städtischer Resilienz und internationaler Wahrnehmung.