Langsamer Zuwachs trotz klarer Zielvorgaben
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Baden‑Württemberg 33 neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen – ein Plus gegenüber dem gesamten Jahr 2025, das dennoch nicht ausreicht, um die regionalen Ausbauziele zu erreichen. Analysen der Plattform Erneuerbare Energien Baden‑Württemberg (PEE) zeigen, dass das aktuelle Tempo weit hinter dem zurückbleibt, was Experten für die Energiewende als notwendig erachten.
Demnach wird landesweit von Fachleuten ein jährliches Ziel von rund 100 neuen Windrädern genannt, um die langfristigen Vorgaben zu erfüllen. Um das Ziel einer installierten Leistung von 12.000 Megawatt bis 2040 zu erreichen, ist ein deutlich beschleunigter Ausbau erforderlich; derzeit sind im Land knapp 2.200 Megawatt installiert.
Ursachen für das schleppende Tempo
Als maßgeblichen Hemmschuh identifizieren Expertinnen und Experten die Rahmenbedingungen der Bundesnetzagentur. Die Ausschreibungsregeln würden Süddeutschland mit seinem vergleichsweise geringeren Windpotenzial benachteiligen, heißt es in der Auswertung. Konkret wurden seit Mai des vergangenen Jahres lediglich Zuschläge für insgesamt 184 Megawatt erteilt; die 33 neu errichteten Anlagen leisten zusammen 169 Megawatt.
"Das würde erheblich zu fairen Ausschreibungsbedingungen beitragen."
Dieses Zitat stammt von PEE‑Geschäftsführer Jürgen Scheurer und benennt die Forderung nach speziellen Regelungen für den Süden Deutschlands.
Forderung: Separate Ausschreibungen für den Süden
PEE plädiert dafür, für Süddeutschland eigene Ausschreibungen vorzusehen und schlägt vor, in den kommenden zwei Jahren rund 10.000 Megawatt nur für den Süden auszuschreiben. Auch Baden‑Württembergs Umweltministerin Thekla Walker unterstreicht die Notwendigkeit, die Windenergie im Süden zu stärken, um Klimaziele zu erreichen und die Versorgung industrieller Zentren mit preiswerter, heimischer Energie zu sichern.
- Hauptproblem: Ausschreibungsbedingungen, die südliche Regionen benachteiligen
- Aktueller Zuwachs: 33 neue Anlagen im ersten Halbjahr 2026
- Erforderliches Tempo: etwa 100 neue Anlagen pro Jahr laut Experten
Was das für den Bezirk Baden bedeutet
Für Kommunen und Projektträger im Bezirk Baden heißt das: Wenn sich die Ausschreibungsregeln nicht ändern, drohen weiter geringe Zuschlagschancen und Verzögerungen bei neuen Windprojekten. Gleichzeitig bleibt Druck auf die Landespolitik bestehen, Förder‑ und Ausschreibungsformen anzupassen, damit lokal notwendige Anlagen realisiert und Versorgungssicherheit sowie industrielle Nachfrage bedient werden können.
| Kenngröße | Zahl |
|---|---|
| Neu errichtete Anlagen (1. HJ 2026) | 33 |
| Leistung dieser Anlagen | 169 MW |
| Zuschläge seit Mai (insgesamt) | 184 MW |
| Derzeit installierte Leistung im Land | ~2.200 MW |
| Benötigte Leistung bis 2040 | 12.000 MW |
Für lokal Verantwortliche bleibt die zentrale Frage, wie Genehmigungsprozesse, Bürgerbeteiligung und Ausgleichsmaßnahmen gestaltet werden müssen, damit Windprojekte realistisch werden. Die Debatte um einen "Südbonus" in Ausschreibungen dürfte die politische Agenda in nächster Zeit bestimmen.