Arbeitszeit und Freizeit geraten aus dem Gleichgewicht
Die Trennung von Berufs- und Privatleben löst sich auf: Neue Untersuchungen aus Europa und dem Vereinigten Königreich belegen, dass berufliche Kontakte jenseits der regulären Arbeitszeit für Millionen Menschen zur Regel geworden sind. Grund dafür sind laut Studien unter anderem Homeoffice, flexible Arbeitsorte und der Druck eines unsicheren Arbeitsmarkts.
Belastung und Zahlen im Überblick
Eine aktuelle Analyse der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens‑ und Arbeitsbedingungen (Eurofound) zeigt, dass etwa ein Fünftel der Beschäftigten in der EU angibt, mehrmals im Monat außerhalb der üblichen Arbeitszeit kontaktiert zu werden. Parallele Auswertungen aus Großbritannien deuten auf einen ähnlichen Trend hin.
"Always-On Workforce Report 2026"
Die Studien verknüpfen diese Entwicklung klar mit steigenden Stresswerten: Rund 59 Prozent der Befragten in Europa geben an, bei der Arbeit ständig oder fast ständig gestresst zu sein. Demgegenüber fühlen sich nur 17 Prozent jener Beschäftigten stark belastet, die außerhalb der Dienstzeit nie kontaktiert werden.
- Häufigkeit der Kontakte korreliert mit psychischem Stress.
- Homeoffice erschwert das Ziehen klarer Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit.
- Unbezahlte Überstunden verursachen volkswirtschaftliche Schäden, wie britische Zahlen zeigen.
Ökonomische Dimension und Folgen
Eine Auswertung des britischen Gewerkschaftsbunds TUC weist darauf hin, dass vergangenes Jahr rund 3,5 Millionen Beschäftigte im Vereinigten Königreich regelmäßig unbezahlte Überstunden leisteten. Der geschätzte Gegenwert dieses Einsatzes liegt bei 28,5 Milliarden Pfund – das sind etwa 33,3 Milliarden Euro. Solche Werte machen deutlich, dass die Always‑on‑Kultur nicht nur individuelle Gesundheit, sondern auch volkswirtschaftliche Effizienz und Arbeitsmarktstrukturen beeinflusst.
| Indikator | Zahl |
|---|---|
| Beschäftigte, außerhalb der Arbeitszeit kontaktiert | ~20 % (EU) |
| Anteil der Beschäftigten mit ständigem Stress | 59 % |
| Beschäftigte in UK mit regelmäßigen unbezahlten Überstunden | 3,5 Mio. |
| Wert unbezahlter Überstunden (UK) | 28,5 Mrd. £ / 33,3 Mrd. € |
Was das für die Freizeit bedeutet
Für die Freizeitgestaltung heißt das konkret: Erholungszeiten werden verkürzt, die geistige Abschaltung fällt schwerer, und Belastungen häufen sich. Besonders betroffen sind jene, die im Homeoffice arbeiten und deshalb Schwierigkeiten haben, klare zeitliche Grenzen zu ziehen. Langfristig kann dies zu gesundheitlichen Problemen, verringerter Lebensqualität und höherer Fluktuation führen.
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeber ergeben sich daraus zwei drängende Aufgaben: Zum einen gilt es, organisatorische und kulturelle Regeln zu schaffen, die Erreichbarkeit begrenzen; zum anderen sind politische und betriebliche Maßnahmen nötig, die unbezahlte Mehrarbeit verhindern und die psychische Gesundheit stärken. Die vorliegenden Zahlen unterstreichen, dass es sich hierbei nicht um eine individuelle, sondern um eine gesellschaftliche Herausforderung handelt.