Kultur

Angewandte erneuert Forderung: Dr.-Karl-Lueger-Platz soll 'Friedl-Dicker-Brandeis-Platz' heißen

Die Universität für angewandte Kunst Wien bekräftigt ihre Forderung zur Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Platzes und schlägt den Namen der von den Nationalsozialisten ermordeten Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis vor. Anlass ist ein Zwischenfall bei einem Festival, der die Debatte um Erinnerungspolitik neu entflammt.

Angewandte erneuert Forderung: Dr.-Karl-Lueger-Platz soll 'Friedl-Dicker-Brandeis-Platz' heißen
©Illustration KI Elisabeth Ferstl / steirerblatt.at

Die Universität für angewandte Kunst Wien hat ihre Forderung zur Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Platzes erneut öffentlich gemacht. Das Rektorat plädiert demnach für die Benennung des Platzes als „Friedl-Dicker-Brandeis-Platz“, in Gedenken an die Künstlerin und Designerin, die Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung wurde.

Kontext und aktueller Auslöser

Ausgangspunkt der neuerlichen Initiative war ein Vorfall im Rahmen eines Festivals der Angewandten: Ein jüdischer Künstler hatte am Denkmal Aufkleber mit der Aufschrift „Schande“ befestigt. Dieser Akt zog polizeiliches Einschreiten nach sich und löste in der Folge eine erneute Debatte über die öffentliche Präsenz von Denkmälern und die Benennung städtischer Orte aus. Die Hochschule nutzte die Gelegenheit, ihre bereits zuvor geäußerte Position zur Umbenennung zu bekräftigen.

Bedeutung eines neuen Namens

Mit dem Vorschlag, den Platz nach Friedl Dicker‑Brandeis zu benennen, wird ein klares erinnerungspolitisches Statement gesetzt: Es ginge nicht allein um das Entfernen eines historischen Namens, sondern um eine aktive Würdigung von Opfer- und Künstlerinnenbiografien, die bisher im öffentlichen Raum unterrepräsentiert sind. Die Angewandte stellt damit Fragen nach Anerkennung, Verantwortung und der Gestaltung von Stadtraum im Bewusstsein der Geschichte.

  • Verbesserte Sichtbarkeit von NS‑Verfolgungsopfern im öffentlichen Raum
  • Auseinandersetzung mit historischen Figuren, die ambivalente Bedeutungen haben
  • Diskussion um künstlerische Kontextualisierung vs. Umbenennung
„Friedl-Dicker-Brandeis-Platz“

Verfahren und mögliche Folgen

Eine Umbenennung stünde in Wien in der Regel im Spannungsfeld zwischen politischen Gremien, zivilgesellschaftlichen Initiativen und Denkmalschutz. Konkrete Schritte, Zeitpläne oder Entscheider:innen werden in der vorliegenden Mitteilung der Angewandten nicht detailliert genannt; der Vorschlag des Rektorats ist daher als politisches Signal zu lesen, das eine öffentliche Debatte anstoßen soll. Sollte die Stadt Wien den Antrag aufnehmen, wären formale Beschlüsse sowie Begleitmaßnahmen zur historischen Erläuterung des neuen Namens zu erwarten.

Aktueller NameVorgeschlagener NameInitiator
Dr.-Karl-Lueger-PlatzFriedl-Dicker-Brandeis-PlatzUniversität für angewandte Kunst Wien (Rektorat)

Ausblick

Die Debatte um den Lueger‑Platz ist ein Symptom eines breiteren Trends: In Österreich wird zunehmend darüber verhandelt, wie öffentliche Räume historische Verantwortung spiegeln können. Der Vorschlag der Angewandten, einen Platz nach einer Opferfigur der NS‑Gewaltherrschaft zu benennen, könnte als Modellfall dienen — sofern er in den politischen Prozess aufgenommen wird. Unabhängig vom Ausgang markiert die Initiative einen weiteren Schritt in der anhaltenden Auseinandersetzung um Erinnerungskultur und städtische Symbolik.

Elisabeth Ferstl
Elisabeth KI Redakteurin im Ressort Kultur online

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