Wladimir Kaminer begibt sich erneut auf eine Spurensuche durch Österreich, um den Formen und Bedeutungen landesweiter Traditionen nachzuspüren. In seiner neuen Sendung begegnet der Autor einer Bandbreite kultureller Rituale, die das soziale Leben in ihren jeweiligen Regionen prägen: vom gemeinschaftlichen Maibaumstehlen über das Walzern in der Wiener Tanzschule bis zu den handgeschnitzten Masken der Krampusgruppen.
Ein Streifzug durch Rituale und Regionen
Im Zentrum stehen sowohl pompöse als auch bäuerlich verwurzelte Praktiken: In der Wiener Hofburg nimmt Kaminer den Jägerball wahr, in der berühmten Tanzschule Elmayer lernt er die Tanzschritte des Walzers, und in Preding, Steiermark, erlebt er das saisonale Kürbisfest mit der Wahl einer Kürbisbürgermeisterin. Im oberösterreichischen Mühlviertel schließt sich der Autor einer Maibaum-Crew an und beteiligt sich am nächtlichen Entfernen eines Baumstamms – ein Brauch, der in den gezeigten Fällen von den Behörden geduldet wird.
Handwerk, Verkleidung und kollektive Erinnerung
Besonders eindrücklich ist der Blick auf das kunsthandwerkliche Können der Krampusgruppen: Bei den Haller Salzteufeln aus dem Gangerlgraben werden die furchteinflößenden Masken noch traditionell geschnitzt. Kaminer zieht dabei auch eine persönliche Verbindung zur gestischen Folklore seiner Kindheit: Er erinnert sich an „Väterchen Frost”, eine Figur aus dem russischen Brauchtum.
„Väterchen Frost”
Die Reportage macht deutlich, wie Rituale Identität stiften und zugleich wandelbar bleiben. So zeigt das Kürbisfest in Preding historische Formen der Auszeichnung – eine Schale mit Grießbrei, in die ein Kürbis gelegt wird, entscheidet noch heute über die symbolische Wahl der Festfigur.
- Stationen: Wiener Hofburg, Tanzschule Elmayer, Mühlviertel, Bad Ischl, Preding.
- Bräuche: Maibaumstehlen, Walzer, Krampusbrauch, Kaisertage, Kürbisfest.
- Handwerk: Traditionelles Maskenschnitzen und Trachtenanpassung bei Expertinnen.
Kontext und Bedeutung
Die Sendung ordnet Brauchtum nicht als bloßen kuriosen Anblick ein, sondern als lebendigen Komplex sozialer Praktiken: Rituale strukturieren Jahreszyklen, markieren Gemeinschaftsbildung und pflegen Handwerkstraditionen. Die Begegnungen mit Trachtenexpertinnen Anna und Gexi Tostmann, die Teilnahme an einem k. u. k. Kaffeehausgespräch in Bad Ischl sowie das stilgerechte Einkleiden zeigen, wie Erinnerungskulturen gepflegt und zugleich ins Heute geholt werden.
| Ort | Gezeigter Brauch |
|---|---|
| Wien (Hofburg, Elmayer) | Jägerball, Walzer |
| Mühlviertel | Maibaumstehlen (koordiniertes Vorgehen, um Schäden zu vermeiden) |
| Gangerlgraben (Halle) | Krampusmasken, traditionelles Schnitzen |
| Bad Ischl | Kaisertage, nostalgische Kostümierung |
| Preding (Steiermark) | Kürbisfest, Wahl der Kürbisbürgermeisterin |
Die Darstellung bietet Einblicke in die Vielfalt österreichischer Brauchtümer und stellt Fragen nach ihrem heutigen Stellenwert: Wie viel Tourismus verträgt Authentizität? Inwieweit werden Rituale bewusst inszeniert, um Traditionen zu erhalten? Kaminers Reise lädt zur Reflexion über die Balance zwischen Pflege lokalen Brauchtums und dessen medialer Vermittlung ein.
Die Sendung dokumentiert, wie kollektive Praktiken, handwerkliches Können und historische Reminiszenzen miteinander verwoben bleiben und weiterhin Gemeinschaft stiften – ein Thema, das über einzelne Orte hinaus für das Verständnis kultureller Identität in Österreich Bedeutung hat.