Projekt stagniert nach Rückzug des ursprünglich zugesagten Trägers
In Salzburg verzögert sich die Einführung eines Unterstützungsangebots für Menschen mit ME/CFS sowie deren pflegende Angehörige. Das im Landtag einstimmig beschlossene Modellprojekt, das an ein Wiener Vorbild angelehnt ist, war ursprünglich mit der lokalen Hospizbewegung als Träger geplant. Nach erneuter Prüfung sagte die Organisation ihre Beteiligung jedoch ab, sodass die Umsetzung derzeit in der Schwebe ist.
Warum der Rückzug wichtig ist
Geplant war, Hospiz- und Trauerbegleiterinnen gezielt für den Umgang mit ME/CFS-Patientinnen und -Patienten zu schulen und so ergänzende Angebote zur Angehörigenentlastung aufzubauen. Das Vorhaben hatte im April breite parlamentarische Zustimmung erhalten – nun müssen Land und Initiatoren einen neuen Träger finden. Die Landtagsabgeordnete Kimbie Humer-Vogl (Grüne) bezeichnete die Absage als Ergebnis intensiver Auseinandersetzung mit dem Thema.
„Die Hospizbewegung hat gesagt, dass sie zwar sehr gerne fallweise Angebote für Menschen mit ME/CFS setzen, aber sich nicht vorstellen können, diese Angehörigenentlastung so zu übernehmen, wie wir uns das gewünscht hätten.“
Als Konsequenz startet die Suche nach Alternativen. Humer‑Vogl zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass sich kompetente Träger finden lassen: Mit ausreichendem Engagement ließe sich die erforderliche Expertise aneignen, so ihre Einschätzung. Erste Gespräche liefen bereits; angestrebt ist der Projektstart spätestens im kommenden Jahr.
Versorgungsbedarf und bestehende Lücken
Die Sozialabteilung des Landes bestätigt in einem Bericht, dass vorhandene Betreuungsangebote zur Unterstützung von Angehörigen für die besondere Situation von ME/CFS-Betroffenen nicht ausreichen. Schätzungen zufolge können in Salzburg fast 1.000 Menschen so schwer erkrankt sein, dass sie das Haus oder sogar das Bett nicht mehr verlassen können. Für die schwerstbetroffenen Patientinnen und Patienten bestehen zusätzliche Risiken wie Sprachverlust oder die Notwendigkeit künstlicher Ernährung, was spezialisiertes Personal erfordert.
- Problem: Mangel an fachlicher Expertise über ME/CFS in unterschiedlichen Einrichtungen.
- Konsequenz: Träger haben Bedenken gegenüber der Übernahme umfassender Angehörigenentlastung.
- Ziel: Neuausschreibung bzw. Suche nach Partnern mit Bereitschaft zur Weiterbildung.
| Aspekt | Stand |
|---|---|
| Beschluss im Landtag | April (einstimmig) |
| Ursprünglicher Träger | Hospizbewegung Salzburg (gesprungen) |
| Geschätzte Betroffene | fast 1.000 |
| Geplanter Projektstart | spätestens im kommenden Jahr |
Obwohl die Forschungslage zu ME/CFS lückenhaft ist und fachübergreifende Kenntnisse in verschiedenen Institutionen fehlen, betont die Politik, es gebe genügend potenzielle Träger im Bundesland, die sich die erforderlichen Kompetenzen aneignen könnten. Entscheidend werde sein, dass die Verantwortlichen klare Rahmenbedingungen, Schulungsangebote und eine verlässliche Finanzierung sichern, damit die Versorgung besonders schwer Betroffener nicht weiter gefährdet bleibt.
Die Verzögerung macht deutlich, wie fragil die Umsetzung spezialisierter Gesundheitsangebote ist: Politischer Wille und gesetzliche Beschlüsse sind nur die erste Stufe, die handfeste Realisierung hängt von Trägerstrukturen, Ausbildungskapazitäten und der Bereitschaft lokaler Organisationen ab.