Das umstrittene Gebäude, in dem Adolf Hitler geboren wurde, ist nach umfassenden Arbeiten nun als Polizeizentrum nutzbar. Die offizielle Eröffnung durch Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) ist für Mittwochvormittag angesetzt. Der Abschluss der Bauarbeiten beendet eine jahrelange, in Teilen kontroverse Auseinandersetzung über die angemessene Nachnutzung des Hauses.
Geschichte, Eigentum und Entscheidung
Das Gebäude war über Jahrhunderte verschiedenen Nutzungen unterworfen: Es diente einst als Gasthaus mit Brauerei, beherbergte Wohnungen und in der Zwischenkriegszeit einen sogenannten
"Führer-Gedenkraum". Nach 1938 übernahm die NSDAP das Haus; nach dem Kriegsende fiel es an die ursprünglichen Eigentümer zurück. In den 1970er-Jahren nutzte man das Objekt vorübergehend als Schule, später beherbergte es ab 1976 die Lebenshilfe. Seit deren Auszug im Jahr 2011 stand das Haus leer. Eine Einigung mit der damaligen Besitzerin über erforderliche Umbaumaßnahmen gelang nicht; das Objekt wurde schließlich enteignet und gehört seit 2016 der Republik Österreich.
Gutachten, Empfehlungen und Gründe für die Nutzung als Polizeidienststelle
Eine berufene Expertenkommission empfahl eine Nutzung mit sozial-karitativem oder behördlich-administrativem Schwerpunkt. Ein Abriss würde nach Ansicht der Fachleute die Geschichte ausblenden, ein Museum könne Anziehungskraft für unerwünschte Gruppen erzeugen. Die Entscheidung für eine Polizeinutzung folgt dieser Argumentation: Das Haus soll nicht länger als möglicher Anlaufpunkt für rechtsextreme Szene dienen und zugleich eine öffentliche, staatliche Funktion aufnehmen.
Maßnahmen und Sensibilisierung
Angesichts der besonderen Symbolkraft des Standorts werden die dort künftig eingesetzten Beamtinnen und Beamten neben den üblichen Ausbildungen zum Thema Rechtsextremismus zusätzliche Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen erhalten, teilte das Innenministerium mit. Das soll sicherstellen, dass der Umgang mit dem historischen Kontext Teil des Dienstalltags wird.
- 2011: Gebäude steht leer nach Auszug der Lebenshilfe.
- 2016: Immobilie geht in den Besitz der Republik Österreich über.
- 2026: Umbau abgeschlossen; Eröffnung des Polizeizentrums durch Innenminister Karner.
Die konkrete Gestaltung nach den Vorstellungen der Planer orientierte sich laut Angaben daran, wie das Haus vermutlich im 17. Jahrhundert ausgesehen hat. Damit sollte der Wiedererkennungswert des ursprünglichen Erscheinungsbilds reduziert werden.
| Aspekt | Angaben aus der Quelle |
|---|---|
| Letzte Nutzung vor Leerstand | Lebenshilfe (bis 2011) |
| Eigentumsübergang | Seit 2016 im Besitz der Republik Österreich |
| Empfohlene Nutzung | Sozial-karitativ oder behördlich-administrativ |
Die Entscheidung, das Haus als Polizeidienststelle zu nutzen, wurde wiederholt kritisiert – unter anderem wegen möglicher Signalwirkungen auf die internationale Wahrnehmung. Kritikerinnen und Kritiker argumentieren, dass durch staatliche Nutzung eine Institutionalisierung an diesem sensiblen Ort erfolgen könnte. Befürworter hingegen verweisen darauf, dass gerade eine sichtbare staatliche Nutzung die Attraktivität des Gebäudes für rechtsextreme Besucherinnen und Besucher verringern solle.
Für die Menschen im Bezirk bedeutet die Einrichtung eines Polizeizentrums vor Ort eine verstärkte Präsenz staatlicher Ordnungskräfte in Braunau am Inn. Gleichzeitig bleibt die Frage der angemessenen erinnerungskulturellen Einordnung bestehen: Der Umgang mit Orten nationalsozialistischer Biografien fordert auch künftig eine transparente, erklärende Kommunikation und begleitende Bildungsangebote.