Die slowenische Schriftstellerin und Bratschistin Tamara Štajner (38), die in Wien lebt, ist die Trägerin des diesjährigen Hauptpreises der zum 30. Mal verliehenen Exil-Literaturpreise. Ausgezeichnet wurde ihr Text „Haus Nr. 5“, die mit der Ehrung verbundene Summe beträgt 3.000 Euro. Die Preisverleihung ist für den 11. Dezember im Literaturhaus Wien angesetzt.
Begründung und thematischer Fokus
Die Jury lobt Štajners Umgang mit familiären und kulturellen Vererbungen; ihr Schreiben verbinde Schärfe mit Mitgefühl und entfalte komplexe Lebenswege in knappen, präzisen Szenen. In der offiziellen Würdigung heißt es:
"Schonungslos aber nicht ohne Empathie erzählt Tamara Štajner von transgenerationalen Traumata und einer schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung"
Mit wenigen, wohl gesetzten Strichen konstruiere sie ein vielschichtiges Beziehungsgewebe, das Erwartungen, Enttäuschungen und Zurückweisungen sichtbar mache, bevor die Spannung im Finale dieses „virtuosen Kammerspiels“ verglühe.
Kontext im Werk und in der Wahrnehmung
Štajner ist nicht nur literarisch aktiv, sondern auch als Musikerin bekannt. Ihr jüngster Roman „Luft nach unten“ stand im August an der Spitze der ORF-Bestenliste, ein Indiz für die Aufmerksamkeit, die ihrem Schreiben derzeit in Österreich zukommt. Die Kombination aus musikalischer Praxis und literarischem Erzählen prägt ihr sensitives, rhythmisierendes Erzähltempo.
Bedeutung des Preises
Die Exil-Literaturpreise werden seit 1997 vergeben. Ziel der Auszeichnung ist es, schriftstellerische Stimmen zu fördern, die aus einer anderen Kultur oder Erstsprache stammen und in deutscher Sprache schreiben. Die Auszeichnung versteht sich insofern als Beitrag zur Vielfalt der deutschsprachigen Literaturszene und zur Sichtbarkeit von Migrationserfahrungen im literarischen Feld.
- Preisträgerin: Tamara Štajner (38), wohnhaft in Wien
- Ausgezeichneter Text: „Haus Nr. 5“
- Preis: 3.000 Euro; Verleihung: 11. Dezember, Literaturhaus Wien
| Jahr | Preis | Veranstaltungsort |
|---|---|---|
| 2026 | Exil-Literaturpreis (Hauptpreis), €3.000 | Literaturhaus Wien (11. Dezember) |
Die Ehrung rückt Štajners literarisches Schaffen in den Blickpunkt einer Öffentlichkeit, die nach Stimmen sucht, welche die vielschichtigen Verwerfungen von Herkunft, Sprache und Familie literarisch ausloten. Sie markiert zugleich eine Anerkennung jener Autorinnen und Autoren, die in deutscher Sprache schreiben, ohne dass Deutsch ihre erste Sprache ist — ein Grundgedanke, der den Exil-Literaturpreisen seit ihrem Beginn zugrunde liegt.
Die Verleihung im Dezember wird ein Treffpunkt für jene sein, die in österreichischen Literaturkreisen über Perspektiven und Diversität diskutieren. Für Štajner selbst dürfte der Preis eine weitere Station in einer Arbeit sein, die musikalische Sensibilität und erzählerische Schärfe verbindet.