Entscheidung in Söding‑St. Johann
Der Gemeinderat von Söding‑St. Johann hat Ende Juni die Umwidmung eines schmalen Randstreifens an der Mooskirchner Straße in Kleinsöding beschlossen. Es handelt sich dabei um eine Ergänzung des bestehenden Industriegebiets zugunsten eines ortsansässigen Betriebs, der das Areal seit 25 Jahren nutzt. Für die Änderung stimmten Bürgermeister Erwin Dirnberger und die Gemeinderatsmehrheit; die Grünen votierten dagegen.
Warum die Fläche umgewidmet wurde
Der betroffene Streifen war bislang als Freiland festgelegt. Laut Antrag gehört der Randstreifen zum Grundstück des Betriebes und soll die Nutzung des bisher als Lagerfläche dienenden Geländes verbessern. Entscheidungsrelevant war, dass ein früheres Gerinne – ein ausgetrockneter Altarm der Kainach – sowie ein einstiger Bewuchs nicht mehr vorhanden sind. Die zuständigen Abteilungen des Landes Steiermark haben die Umwidmung geprüft und die Änderung freigegeben.
Widerstand und Sorge um Bodenqualität
Die Gemeinderäte der Grünen äußerten deutliche Vorbehalte. Sie fordern, vorhandene freie Flächen sorgfältig zu prüfen, bevor weitere Grünlandflächen Bauland werden. In ihrer Argumentation verweisen sie auf den Verlust von Speicher- und Versickerungsflächen, was in Zeiten von Hitze und häufiger auftretenden Starkregenereignissen relevante Risiken mit sich bringe.
„Grünland, das einmal zubetoniert wird, kommt nicht mehr zurück. Gerade in Zeiten von Hitze und Starkregen brauchen wir freie Böden, die Wasser aufnehmen“,
so Grünen‑Gemeinderat Michael Kaindl. Sein Fraktionskollege Michel Max Kalas stellte die Frage nach der langfristigen Entwicklung der Gemeinde: Möchte Söding‑St. Johann ländlich bleiben oder sich weiter einem städtischen Einzugsgebiet angleichen?
Konkrete Folgen für den Bezirk
Die Umwidmung betrifft im Kern nur einen schmalen Streifen, hat aber Symbolwirkung für weitere Entscheidungen über Flächenverbrauch im Bezirk. Für Anrainer und landwirtschaftliche Nutzung bedeutet eine solche Änderung:
- mögliche Zunahme von versiegelten Flächen in der Siedlungsrandzone,
- Veränderungen bei Wasserabfluss und Versickerungsvermögen der Böden,
- Einfluss auf künftige Bebauungs- und Nutzungsoptionen in angrenzenden Bereichen.
Forderung nach einem verbindlichen Flächencheck
Die Grünen drängen auf einen verbindlichen Flächencheck, der vor weiteren Umwidmungen bestehende Siedlungs- und Industriefreiraum analysiert. Ziel wäre, zuerst ungenutzte oder brachliegende Flächen zu prüfen, bevor neue Grünlandflächen in Bauland umgewidmet werden. Ein solcher Mechanismus würde die Gemeindeplanung transparenter machen und die Abwägung zwischen Wirtschaftsförderung und Umweltschutz systematischer gestalten.
Was Anrainer jetzt wissen sollten
Für die betroffenen Anwohner und Betriebe im Einzugsgebiet sind folgende Punkte praktisch relevant:
- Die Umwidmung ist für diesen konkreten Streifen rechtskräftig, da das Land zugestimmt hat und der Gemeinderat die Änderung beschlossen hat.
- Weitere Baumaßnahmen auf der Fläche bedürfen gesonderter Genehmigungen – eine Umwidmung schafft die planungsrechtliche Voraussetzung, ersetzt aber nicht alle bauordnungsrechtlichen Schritte.
- Grünlandverlust und Versiegelung können lokal die Entwässerung beeinflussen; Betroffene sollten bei Planungen zur Kanalisation und Regenwasserableitung eingebunden werden.
Ausblick
Die Debatte in Söding‑St. Johann spiegelt ein allgemeineres Spannungsfeld zwischen Wirtschaftsentwicklung und Flächenschutz wider. Ob die Gemeinde künftig einen verbindlichen Flächencheck einführt, bleibt offen; die Positionen im Gemeinderat sind jedoch klar formuliert. Für den Bezirk Voitsberg bleibt die Frage relevant, wie Flächen effizient genutzt werden können, ohne langfristig Boden zu verlieren, der für Klimaanpassung und Wasserhaushalt wichtig ist.
| Partei/Gruppe | Position |
|---|---|
| Gemeinderat/Mehrheit | stimmte für die Umwidmung |
| Grüne | sprachen sich gegen die Umwidmung aus und fordern Flächencheck |