Strategien für Werkstätten und Ersatzteile
Chinesische Autohersteller, die in Deutschland Fuß fassen wollen, konzentrieren sich längst nicht mehr nur auf den Fahrzeugverkauf. Entscheidend für die Kaufentscheidung und für langfristige Kundenzufriedenheit ist die Funktion des After‑Sales: Reparaturen, Ersatzteile und Servicenetz. Drei unterschiedliche Ansatzpunkte lassen sich derzeit klar unterscheiden.
Kooperation mit etablierten Netzwerken
Einige Marken nutzen vorhandene Strukturen großer europäischer Anbieter, um schnell flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Ein Beispiel ist Leapmotor: Vertrieb und Logistik sind nach eigenen Angaben in das Vertriebs- und Ersatzteilsystem von Stellantis integriert. Das bedeutet konkret ein deutsches Zentrallager in Bochum und 19 regionale "Distrigo Partner". Die Firma nennt eine Teileverfügbarkeit von 96 Prozent innerhalb von 48 Stunden und plant, die Lieferzeit bis Jahresende auf 24 Stunden zu senken.
"komplett in das Stellantis Distributionssystem eingebunden"
Bindung an bestehende Konzernstrukturen
Ein ähnlicher Weg wird von Lynk & Co beschritten, das auf die Infrastruktur von Volvo Cars zurückgreift. Die Zusammenarbeit umfasst After‑Sales‑Prozesse, Ersatzteilvertrieb und Logistik. Gegenwärtig stehen Kunden in Deutschland 84 autorisierte Service‑Standorte zur Verfügung; bis Ende 2026 soll dieses Netz auf 92 Standorte erweitert werden.
Eigenständiger Aufbau mit eigenen Partnern
Andere Hersteller verfolgen den klassischen Weg eines eigenen, unabhängigen Netzes. BYD gilt hier als besonders ambitioniertes Beispiel: Nachdem die Präsenz Anfang 2025 bei 26 Standorten lag, meldet das Unternehmen bis Juni 2026 bereits rund 200 unterzeichnete Händlerverträge. Aktuell existieren etwa 220 Markenwerkstätten. Der zügige Ausbau betrifft sowohl Verkauf als auch Service und Reparaturkapazitäten.
- Vorteile der Kooperation: schnelle Verfügbarkeit, Nutzung bestehender Logistik, geringerer Aufbauaufwand.
- Vorteile des eigenen Netzes: Markensteuerung, Qualitätskontrolle, direkter Kundenzugang.
- Risiken: Lieferengpässe bei Teilen, ungleichmäßige Servicequalität bei schnellen Expansionsschüben.
Was bedeutet das für Kunden und Werkstätten?
Für Käufer ist entscheidend, wie rasch Ersatzteile verfügbar sind und wie viele Werkstätten Servicetermine anbieten. Die genannten Kennzahlen – 96 Prozent Teileverfügbarkeit in 48 Stunden bei Leapmotor, der Ausbau von Lynk & Co auf 92 Standorte und BYDs schnelle Zunahme auf rund 220 Werkstätten – deuten darauf hin, dass die großen chinesischen Marken intensiv in die Vertriebs‑ und Serviceinfrastruktur investieren.
| Marke | Netzwerktyp | Standorte / Werkstätten | Angaben zur Teileverfügbarkeit |
|---|---|---|---|
| Leapmotor | Kooperation mit Stellantis | ~130 Vertriebs‑ und Servicestandorte | 96 % in 48 h, Ziel: 24 h |
| Lynk & Co | Einbindung in Volvo‑Netz | 84 autorisierte Standorte (Ziel: 92) | — |
| BYD | Eigenständiger Aufbau | ~220 Markenwerkstätten; 200 Händlerverträge (Juni 2026) | — |
Für Werkstätten bedeutet das: neue Partnerschaften, erweiterte Teilewirtschaft und gegebenenfalls Investitionen in Ausbildung und technische Ausstattung. Für Konsumenten ist wichtig, beim Kauf nicht nur Preis und Reichweite, sondern auch das lokale Servicenetz zu prüfen.
Fazit: Die chinesischen Hersteller verfolgen differenzierte Strategien. Kooperationen bieten Tempo und unmittelbare Versorgungsstärke; eigenständige Netze erlauben langfristig mehr Kontrolle. Beide Wege zielen darauf ab, die wichtige Brücke zwischen Produkt und Service in Deutschland verlässlich zu schließen.