Wenn die Monatsrechnung nicht mehr passt
Man kennt das Bild: Eine Frau sortiert Rechnungen am Küchentisch, die Unterlagen türmen sich, und der Blick zum Konto wirkt wie ein Stimmungsbarometer. Solche Alltagsszenen gehören laut der städtischen Schuldnerberatung in Langenfeld inzwischen auch zu den Fällen, die früher selten waren. Die beiden Berater, Sabine Steingass und Rene Jungen, betreuen gemeinsam rund 400 Klienten pro Jahr, davon etwa 150 neue Fälle jährlich. Die Nachfrage wächst – und damit auch die Wartezeiten.
Warten auf Hilfe: Monate statt Wochen
Die Beratungskapazitäten sind begrenzt, die Begleitung oft langfristig: Laut Jungen können die Termine derzeit vier bis fünf Monate dauern. In manchen Städten sei die Lage noch dramatischer, dort müssten Betroffene bis zu einem Jahr auf einen Beratungstermin warten. Die Berater stellen einen Anstieg des Bedarfs fest und führen ihn unter anderem auf höhere Lebenshaltungskosten und steigende Mieten zurück.
Ursachen und Muster der Verschuldung
Die Gründe für finanzielle Notlagen sind vielfältig: Altersarmut nach dem Tod des Partners, ein zu niedriges Einkommen, Arbeitsplatzverlust, Krankheit oder Sucht können Auslöser sein. Hinzu kämen private Gründe wie überhöhtes Konsumverhalten oder Problemfälle bei Immobilienfinanzierungen, etwa nach Trennungen, wenn ein Tilgungsbeitrag wegfällt. Bei gescheiterten Selbstständigen ziehen die Berater Grenzen: Hier fehlten oft die Voraussetzungen, da man sich auf Privatpersonen konzentriere und nicht über die Expertise als Unternehmensberater verfüge.
„Es ist zunehmend die Mitte der Gesellschaft betroffen.“
Folgen für soziale Netze und Rücklagen
Bemerkenswert ist nach Einschätzung der Berater, dass die früher verlässlicheren familiären Auffangnetze seltener ausreichen. Verwandte und Bekannte können nicht mehr automatisch einspringen, wenn Einkommen nicht reichen oder Rücklagen fehlen. Auf dem Weg aus der Krise steht nach einer Bestandsaufnahme die Existenzsicherung an erster Stelle.
- Kapazität: 2 Berater (Steingass, Jungen)
- Jährliche Gesamtklienten: 400
- Neue Fälle pro Jahr: rund 150
- Aktuelle Wartezeit: 4–5 Monate (manche Städte: bis zu 12 Monate)
Was das für Betroffene bedeutet
Für die Betroffenen heißt das: Länger auf Hilfe zu warten, mehr eigenständige Belastung, höhere Wahrscheinlichkeit, dass sich Probleme verfestigen. Die Begleitung kann sich über Monate oder Jahre ziehen. Kurzfristige Entlastungen sind selten – es braucht gezielte Hilfeleistungen, die sowohl kurzfristig Liquidität schaffen als auch längerfristig zur Stabilisierung beitragen.
| Indikator | Zahl |
|---|---|
| Berater | 2 |
| Jährliche Klienten | 400 |
| Neue Fälle jährlich | ~150 |
| Wartezeit | 4–5 Monate (teilweise bis 12 Monate) |
Die Entwicklung in Langenfeld steht exemplarisch für ein größeres Problem: Wenn die Mitte der Gesellschaft zunehmend in finanzielle Schieflagen gerät, werden politische Antworten und soziale Infrastruktur gefordert sein, die über reine Schuldnerberatung hinausgehen – von bezahlbarem Wohnraum bis zu Mechanismen, die Einkommensverluste bei Krankheit oder Trennung besser auffangen.