Die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) erweitert den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in ihrer Verwaltungsarbeit, um die Abwicklung von Leistungen für Versicherte zu beschleunigen und zu vereinfachen. Zentraler Baustein ist ein System mit dem Namen KAI (Kostenerstattung mit Artificial Intelligence), das insbesondere bei der Bearbeitung eingereichter Rechnungen verwendet wird.
Was ändert sich konkret?
Versicherte können Rechnungen über die App "Meine ÖGK" oder die ÖGK-Webseite einreichen. Das neue System soll die Verarbeitung dieser Unterlagen automatisieren und dadurch Beschlüsse über Kostenerstattungen beschleunigen. Nach Angaben der Kasse wurden bislang bereits rund 85 Millionen Seiten automatisiert bearbeitet. Darüber hinaus wird KI zur Prüfung von Abrechnungen verwendet, um Auffälligkeiten zu identifizieren und verdächtige Dokumente den Beschäftigten zur weiteren Prüfung vorzulegen.
Begründungen und Potenziale
Die ÖGK führt als vorteilhafte Effekte einen verbesserten Service und eine Stärkung der Gesundheitsversorgung an: Routineaufgaben könnten automatisiert werden, sodass sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr auf komplexe Fälle und persönliche Anliegen der Versicherten konzentrieren könnten. Zudem sieht die Kasse durch die Automatisierung Einsparungspotenzial.
- Beschleunigte Bearbeitung von Kostenerstattungen durch automatische Analyse eingereichter Rechnungen
- Risikofilter bei Vertragspartnerkontrollen: KI markiert Auffälligkeiten für menschliche Prüfung
- Ressourcenverschiebung: mehr Fokus auf komplexe Einzelfälle, weniger auf Routineprozesse
Offene Fragen und Risiken
Trotz der angekündigten Vorteile bestehen noch offene Fragen: Wie viele Stellen in der Servicelandschaft tatsächlich wegfallen oder umgewidmet werden, ist unklar. In einem intern kursierenden Arbeitspapier war von einer möglichen Halbierung der Servicestellen die Rede. Konkrete Entscheidungen und Zeitpläne hierfür nannte die Kasse nicht. Auch Datenschutz, Transparenz der Algorithmen und die Haftungsfragen bei Fehlentscheidungen wurden in der vorliegenden Meldung nicht erläutert.
| Größe / Posten | Angabe |
|---|---|
| Versicherte | 7,6 Millionen |
| Automatisiert bearbeitete Seiten | 85 Millionen |
| Erwähntes Szenario in Arbeitspapier | Halbierung der Servicestellen |
Für Versicherte kann die Digitalisierung Erleichterungen bringen, etwa durch schnellere Rückerstattungen und weniger Papieraufwand. Für Beschäftigte dagegen besteht das Risiko einer Reduktion einfacher Verwaltungsstellen, während zugleich neue Kompetenzen in der Bedienung und Kontrolle von KI-Systemen erforderlich werden könnten.
Die Einführung von Künstlicher Intelligenz in einer zentralen Sozialversicherung ist ein bedeutender Schritt, der Transparenz über Funktionsweise und Kontrollmechanismen erfordert. Wie die ÖGK diese Fragen handhabt, insbesondere hinsichtlich Datenschutz, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und dem sozialen Ausgleich für betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bleibt zu beobachten.