Branche steigert Effizienz, große Klimasprünge bleiben aus
Das aktuelle Umweltranking des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) zeichnet ein zwiespältiges Bild der Kreuzfahrtindustrie: Zwar verbessere sich die Energieeffizienz und es flösse mehr Geld in Landstromanschlüsse, doch beim entscheidenden Schritt zur Dekarbonisierung, dem Ausstieg aus fossilen Schwerölen und dem Umstieg auf klimaneutrale Kraftstoffe, seien die Fortschritte gering.
Bewertungskriterien und Methode
In der Analyse wurden zentrale Kriterien abgefragt, darunter der Verzicht auf Schweröl als Treibstoff, die Nutzung von Landstrom, der Einsatz von Stickoxidkatalysatoren, Maßnahmen zu Klima und Effizienz sowie Aspekte wie Luftreinhaltung, Klimaziele und Neu- beziehungsweise Umbauten von Schiffen. Die Ergebnisse basieren auf freiwilligen Angaben von 15 befragten Reedereien.
Top und Flop: Welche Reedereien vorne bzw. hinten liegen
Am besten schnitten laut Nabu die norwegischen Anbieter Havila und Hurtigruten ab; sie teilen sich die Spitzenplätze. Dennoch bleiben auch sie weit von einer umweltverträglichen Form der Kreuzfahrt entfernt: Selbst die Bestplatzierten erreichen nach Angaben des Nabu nicht einmal die Hälfte der möglichen Punktzahl.
„Man kann hier 17 Punkte erreichen und die Besten erreichen 7,5.“
In einem Mittelfeld liegen punktgleich auf dem dritten Rang die französische Reederei Ponant sowie die deutschen Anbieter TUI Cruises (Mein Schiff) und Aida Cruises. Am Ende des Rankings finden sich große Namen der Branche: Royal Caribbean, Norwegian Cruise Line und als Schlusslicht der britische Anbieter Marella. Drei Anbieter — Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises — blieben Befragungen zufolge ohne Rückmeldung.
Folgen und Einordnung
Das Ergebnis legt nahe, dass technische Effizienzmaßnahmen und der Ausbau von Landstromanschlüssen zwar wichtige Schritte sind, aber nicht ausreichen, um die Branche klimaneutral zu machen. Entscheidend wäre ein systematischer Umstieg auf klimaneutrale Treibstoffe und ein konsequenter Verzicht auf Schweröl, auf den der Nabu deutlich hinweist. Solange bedeutende Reedereien diese Richtung nicht einschlagen, bleiben sektorweite Emissionsreduktionen begrenzt.
- 15 befragte Reedereien (freiwillige Angaben)
- Maximal erreichbare Punktzahl im Ranking: 17
- Bester Wert im Ranking: 7,5 Punkte
Tabelle: Auswahl aus dem Nabu-Ranking
| Platz | Reederei | Kommentar |
|---|---|---|
| 1–2 | Havila, Hurtigruten | Beste im Ranking, erreichen jedoch nur 7,5 Punkte bzw. deutlich unterhalb der Maximalpunktzahl |
| 3 (punktgleich) | Ponant; TUI Cruises (Mein Schiff); Aida | Mittelfeld, teils deutsche Anbieter |
| letzte Plätze | Royal Caribbean; Norwegian; Marella | Schlusslichter, mit Marella auf dem letzten Rang |
| ohne Antwort | Phoenix Reisen; Viking Ocean; Nicko Cruises | Keine Angaben vom Unternehmen |
Das Nabu-Ranking macht deutlich, dass technische Modernisierungen allein die systemischen Probleme der Kreuzfahrt nicht lösen. Für Politik, Hafeninfrastruktur und Verbraucher bleibt die Frage, wie ambitionierte Vorgaben, Anreize für klimafreundliche Kraftstoffe und strengere Regularien durchgesetzt werden können, damit die Branche die Lücke zwischen Effizienzfortschritt und wirklicher Dekarbonisierung schließt.