Gedenkstätte in Lustenau wächst durch neue Erkenntnisse
In Lustenau wurden kürzlich zwei zusätzliche Namen auf der örtlichen NS-Gedenkstätte eingraviert. Die Marktgemeinde hatte die Gedenkstätte im Jahr 2013 nahe dem bestehenden Kriegerdenkmal errichten lassen; bei der Anlage wurde bewusst Raum für künftige Ergänzungen vorgesehen. Die jetzt hinzugefügten Namen lauten Wilhelm Hämmerle und Karl Waibel.
Die Ergänzung beruht auf weiteren wissenschaftlichen Recherchen: Bei Wilhelm Hämmerle liegen detaillierte Unterlagen vor, die seinen Tod und die Umstände dokumentieren. Er verstarb im Alter von 15 Jahren rund zwei Monate nach Kriegsende in Kaufbeuren. Hämmerle war im Juli 1942 in die dortige Heil- und Pflegeanstalt aufgenommen worden; seine Krankenakten zeigen einen drastischen Gewichtsverlust von 41 Kilogramm im Oktober 1944 auf 28 Kilogramm im Juni 1945. Eine fachliche Expertise stuft ihn als Opfer der NS-Euthanasie ein.
„Wilhelm Hämmerle ist eindeutig ein Opfer der Vernachlässigung und evtl. auch Hungerkost. […] Todesursache war wahrscheinlich aber ein epileptischer Anfall, allerdings wurde ihm nicht geholfen, man hat ihn einfach sterben lassen“,
so die Einschätzung von Prof. Dr. Michael von Cranach, der in dem Untersuchungsfeld als ausgewiesener Experte gilt. Diese Bewertung stützt sich auf Krankenakten aus dem historischen Bestand des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren.
Der Künstlerin/der Künstlername Udo Rabensteiner hatte bei der Gestaltung der Sandsteinblöcke bewusst Flächen freigelassen, damit neu erforschte Namen später hinzugefügt werden können. Die jüngsten Einträge zeigen, wie lokale Erinnerungsarbeit und Archivforschung zusammenkommen, um das Wissen über Leidenswege und Todesumstände unter der NS-Herrschaft zu vervollständigen.
Konkrete Bedeutung für Lustenau
Für die Gemeinde und die Hinterbliebenen bedeutet die Ergänzung der Gedenkstätte eine formelle Anerkennung weiterer Opfer. Zugleich erinnert die Maßnahme an die Notwendigkeit fortlaufender Recherchearbeit in Archiven und an die Verantwortung der Kommunen, Erinnerungorte aktuell zu halten. Für Schulen und lokale Bildungsarbeit liefert die Ergänzung zusätzliche, konkrete Belege, um über die NS-Verbrechen in der Region zu informieren.
- Die Gedenkstätte wurde 2013 eingerichtet und bewusst erweiterbar gestaltet.
- Die Namensergänzung basiert auf Archivfunden und wissenschaftlicher Expertise.
- Die Einträge betreffen Personen aus Lustenau, die als Opfer der NS-Herrschaft identifiziert wurden.
| Name | Alter bei Tod | Todesort / Anmerkungen |
|---|---|---|
| Wilhelm Hämmerle | 15 | Kaufbeuren; Aufnahme 07/1942; dokumentierter Gewichtsverlust; als Euthanasieopfer eingeordnet |
| Karl Waibel | Details aus Recherchegrundlage ergänzt und nun auf Gedenkstätte verzeichnet |
Die Erweiterung ist ein Beispiel dafür, wie lokales Erinnern dynamisch bleibt: Neue Erkenntnisse führen zu einer konkreten, sichtbaren Veränderung des öffentlichen Gedenkens. Für Lustenau bedeutet dies nicht nur eine Ergänzung der Namenstafeln, sondern auch eine Aufforderung, die lokale Erinnerungskultur weiterhin zu pflegen und wissenschaftliche Befunde in die Öffentlichkeit zu tragen.