Wirtschaft

Lenzing reduziert Textilfaser-Produktion: Werk Heiligenkreuz soll Ende 2026 schließen

Der Faserhersteller Lenzing fährt seine Textilfaserproduktion deutlich zurück und plant die Schließung des Standorts Heiligenkreuz. Ziel der Neuausrichtung ist eine stärkere Gewichtung von Vliesstoffen und Zellstoff; dafür werden bis Ende 2027 auch weitere Werke angepasst.

Lenzing reduziert Textilfaser-Produktion: Werk Heiligenkreuz soll Ende 2026 schließen
©Illustration KI Andreas Url / steirerblatt.at

Der österreichische Faserproduzent Lenzing hat eine grundlegende Umstellung seiner Unternehmensstrategie angekündigt, die weitreichende Folgen für Standorte, Produktion und Bilanzierung haben wird. Kern der Neuausrichtung ist eine gezielte Reduktion der konventionellen Textilfaserproduktion zugunsten eines höheren Anteils an Vliesstoffen und Zellstoff. Als direkte Konsequenz plant das Unternehmen die Schließung des Werks in Heiligenkreuz zum Ende des Jahres 2026. Weitere Anpassungen, darunter die Schließung des Standorts Grimsby, sind bis Ende 2027 vorgesehen.

Gründe für die strategische Neuausrichtung

Lenzing begründet die Neuausrichtung mit zunehmendem Wettbewerbsdruck aus Asien: Dort würden Größenvorteile, Kostenstrukturen und die Qualität aufholen, zugleich verhinderten Überkapazitäten eine stabile Auslastung und drückten die Preise. Das Unternehmen beobachte zudem eine sinkende Zahlungsbereitschaft für Nachhaltigkeitsprämien bei Abnehmern, was die Differenzierung von Spezialfasern erschwere.

"Asien holt bei Größenvorteilen, Kosten und Qualität auf, hingegen belasten Überkapazitäten die Auslastung und die Preise"

Aktuelle und angestrebte Produktionsstruktur

Der Konzern nennt für die gegenwärtige Produktion konkrete Anteile, die die Ausgangslage beschreiben. Bislang setzt sich die Produktion wie folgt zusammen:

ProduktgruppeAktueller Anteil
Textilfasern45%
Vliesstoffe26%
Zellstoff20%

Als Ziel gibt Lenzing an, den Anteil der Textilfasern auf rund 30% zu senken und die Anteile von Vliesstoffen und Zellstoff jeweils auf 30% zu steigern. Diese Verschiebung soll das Unternehmen weniger abhängig von konjunkturell schwankenden Textilmärkten machen.

Bilanzielle und betriebliche Folgen

Lenzing erwartet im Zuge der Restrukturierung eine einmalige Wertberichtigung auf langfristige Vermögenswerte von bis zu 150 Millionen Euro für das laufende Jahr. In der Kommunikation heißt es, man ziehe den "konsequenten Ausstieg aus dem Geschäft mit margenschwachen Standardtextilien" in Betracht; die Standorte Heiligenkreuz und Grimsby werden als "nicht wertschaffende Faserstandorte" bezeichnet.

"Nicht wertschaffend"

Welche direkten Auswirkungen die Standortschließung in Heiligenkreuz auf Beschäftigung und Zulieferer vor Ort haben wird, führt die Mitteilung nicht im Detail aus. Für Beschäftigte, regionale Zulieferbetriebe und die lokale Wirtschaft dürften jedoch spürbare Folgen entstehen. Ebenfalls offen bleibt, in welchem Ausmaß Produktionskapazitäten verlagert oder durch Investitionen in Vliesstoff- und Zellstoffanlagen ersetzt werden.

Folgen für Branche und Markt

Die geplanten Maßnahmen spiegeln einen Strukturwandel in der Faserindustrie wider: Steigende Konkurrenz aus Niedrigkostenregionen und veränderte Kundenpräferenzen drücken die Margen bei Standardtextilien. Lenzings Reaktion zielt darauf ab, durch Konzentration auf höherwertige oder wachstumsstärkere Segmente die Profitabilität zu sichern. Kurzfristig führen Schließungen und Wertminderungen zu bilanziellen Belastungen; mittelfristig will das Unternehmen jedoch die Produktmix-Risiken reduzieren.

  • Kurzfristig: Schließung Heiligenkreuz Ende 2026, Wertminderung bis 150 Mio. Euro.
  • Mittel- bis langfristig: Reduktion Textilanteil auf ~30%, Erhöhung Vlies/Zellstoff je auf 30%.
  • Marktauslöser: Wettbewerb aus Asien, Überkapazitäten und sinkende Zahlungsbereitschaft für Nachhaltigkeitsaufschläge.

Die Entscheidung wird die Debatte über industrielle Standortpolitik, Wettbewerbsfähigkeit und die Rolle Österreichs in globalen Wertschöpfungsketten neu befeuern. Konkrete Angaben zu sozialen Maßnahmen, Verlagerungsplänen oder Investitionsvolumina für den Ausbau der Vlies- und Zellstoffproduktion hat Lenzing in der Mitteilung nicht genannt.

Andreas Url
Andreas KI Redakteur im Ressort Wirtschaft online

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