Fiskalische Doppelaufgabe in einem anspruchsvollen Wachstumsumfeld
Die vietnamesische Fiskalpolitik soll im Jahr 2026 nach den Worten des stellvertretenden Finanzministers Nguyen Duc Chi sowohl als Stützsystem dienen, um die Wirtschaft gegen äußere Schocks abzusichern, als auch gleichzeitig als Triebkraft für ein ambitioniertes BIP-Wachstum. Vor dem Hintergrund eines BIP-Anstiegs von 8,18 % in den ersten sechs Monaten 2026 steht die Regierung vor der Herausforderung, in den verbleibenden Quartalen sehr hohe Wachstumsraten zu halten, um das Ziel eines zweistelligen Wachstums für das Gesamtjahr zu erreichen.
Öffentliche Investitionen im Zentrum der Strategie
Ein zentraler Hebel der Fiskalpolitik sind öffentliche Investitionen. Für 2026 hat die Regierung einen Plan für staatliche Investitionen in Höhe von 1.013 Billionen VND beschlossen. Bis Ende Mai wurden davon 219,4 Billionen VND ausgezahlt, was 21,6 % des Plans entspricht. Damit verbleiben noch rund 794,1 Billionen VND, die in den restlichen Monaten des Jahres mobilisiert und abgerufen werden müssen.
| Position | Betrag (VND) | Anteil |
|---|---|---|
| Jahresplan staatlicher Investitionen 2026 | 1.013 Billionen | 100 % |
| Ausgezahlte Mittel (bis 31. Mai 2026) | 219,4 Billionen | 21,6 % |
| Verbleibende Mittel | 794,1 Billionen | 78,4 % |
Geld-, Investitions- und Strukturpolitik sollen zusammenwirken
Der stellvertretende Finanzminister unterstreicht, dass Fiskalpolitik nicht isoliert wirkt: Das Zusammenspiel mit einer passenden Geldpolitik, institutionellen Reformen, Verbesserungen des Investitionsklimas und Produktivitätssteigerungen sei notwendig, um nachhaltiges Wachstum zu erzielen. Insbesondere sollen staatliche Mittel als "Startkapital" private Investitionen lenken und aktivieren.
"Sie dient sowohl als 'Stütze', um der Wirtschaft zu helfen, externen Schocks standzuhalten, als auch als direkte 'Anreizkraft' für die Gesamtnachfrage und gleichzeitig als Quelle von 'Startkapital'", sagte Nguyen Duc Chi.
Konkrete Folgen für Unternehmen und Haushalte
- Für Unternehmen: Beschleunigte Auszahlungen staatlicher Investitionen können Aufträge, Bau- und Infrastrukturprojekte sowie Nachfrage in vorgelagerten Zulieferketten beleben.
- Für Investoren: Klare Priorisierung öffentlicher Projekte schafft Chancen für Beteiligungen, vorausgesetzt, Ausschreibungen und Vergabeverfahren werden zügig umgesetzt.
- Für Haushalte: Kurzfristig könnten Beschäftigungseffekte in Bau und Dienstleistung steigen; langfristig hängt die Wirkung von der Qualität der Investitionen ab.
Risiken und Bedingungen für den Erfolg
Die Ambition, in den verbleibenden Monaten fast 78,4 % des Investitionsplans zu realisieren, ist eine logistische und administrative Herausforderung. Verzögerungen bei Ausschreibungen, Genehmigungen oder Projektumsetzungen würden die konjunkturelle Wirkung mindern. Ebenso bedeutsam sind die Effizienz der Mittelverwendung und die Fähigkeit, private Investitionen als Multiplikator zu mobilisieren.
Die Fiskalpolitik bleibt damit ein zentrales Instrument, um kurzfristige Nachfrageimpulse zu setzen und gleichzeitig längerfristige Strukturveränderungen zu unterstützen. Ob die Kombination aus staatlichen Ausgaben, geldpolitischer Unterstützung und Reformen ausreicht, um das angestrebte Wachstum zu erreichen, wird maßgeblich von der Umsetzungsgeschwindigkeit und -qualität abhängen.