Ein leiser Anfang: wie Rehabilitation praktisch aussieht
Es ist ruhig im Affenrefugium von Gut Aiderbichl in Gänserndorf. Nur vereinzelte Rufe durchbrechen die Stille, wenn Schimpansen in den großzügigen Außenanlagen miteinander interagieren. Hier leben aktuell 24 ehemalige Labor-Schimpansen, die jahrzehntelang für medizinische Versuche eingesetzt wurden. Die Zahl und das Schicksal dieser Tiere machen deutlich: Es handelt sich nicht um gewöhnliche Tierpflege, sondern um intensive, langfristige Rehabilitation.
Räume, Rituale, Rehabilitation
Das Refugium verfügt über Klettergerüste, Seile, Plattformen und weitläufige Außengehege. Diese Infrastruktur ist kein bloßes Beschäftigungsangebot, sondern Bestandteil eines Lernprozesses. Viele der Tiere mussten elementare Fähigkeiten, die wild aufwachsende Schimpansen von der Mutter und der Gruppe erlernen, hier erst Schritt für Schritt erwerben: soziales Verhalten, das Erkennen von Gefahren und sogar das Erleben einfacher Sinneseindrücke wie Wind oder Sonnenlicht.
Verhalten, das neu erlernt werden muss
Beim Beobachten fällt auf, wie unterschiedlich die Anpassung verläuft. Einige Tiere zeigten anfangs Furcht vor alltäglichen Reizen — Blättern, Wind oder dem offenen Himmel. Solche Reaktionen verdeutlichen die tiefe Prägung durch jahrelangen Laboraufenthalt und die Notwendigkeit behutsamer, schrittweiser Eingewöhnung.
„Diese Schimpansen sind anders“, sagt Renate Foidl, Leiterin des Affenrefugiums. „Sie haben Dinge erlebt, die kein Tier erleben sollte. Viele mussten erst lernen, überhaupt Gefühle zu entwickeln.“
Praktische Bedeutung für den Bezirk
Für Gänserndorf ist das Affenrefugium mehr als ein Besuchermagnet: Es ist ein Ort, an dem Expertise im Umgang mit schwer traumatisierten Menschenaffen gebündelt wird. Die Einrichtung schafft Arbeits- und Bildungsanlässe, sensibilisiert die Öffentlichkeit für Tierschutzfragen und bietet Lehr- und Forschungszugänge zu Themen wie Verhaltensrehabilitation und Artenschutz. Gleichzeitig stellt die Arbeit hohe Anforderungen an Personal, Platz und finanzielle Mittel — Aspekte, die in der Region Unterstützung und Aufmerksamkeit erfordern.
Was Besucher und Anwohner wissen sollten
Das Refugium ist kein normales Tierpark-Erlebnis. Die Tiere benötigen Ruhe und geregelte Abläufe; plötzliche Störungen oder zu großes Besucheraufkommen können Rückschritte verursachen. Wer das Gelände besucht oder die Arbeit unterstützen möchte, sollte sich vorab informieren, Rücksicht nehmen und die Hinweise des Personals befolgen.
- Anzahl der Tiere: 24 ehemalige Labor-Schimpansen
- Ort: Affenrefugium von Gut Aiderbichl, Gänserndorf
- Schwerpunkte: Rehabilitation, Sozialisierung, Umwelterfahrung
| Aspekt | Beschreibung |
|---|---|
| Haltung | Klettergerüste, Seile, Plattformen, großzügige Außengehege |
| Herausforderungen | Angst vor Naturreizen, fehlendes Sozialverhalten infolge früherer Haltung |
| Leitung | Renate Foidl (Leiterin des Affenrefugiums) |
Die Berichte aus dem Refugium machen deutlich, wie viel Zeit, spezialisierte Pflege und fachliche Begleitung nötig sind, damit ehemalige Versuchstiere wieder ein artgemäßes Leben führen können. Für die Menschen im Bezirk bedeutet das: Ein Ort der Fürsorge ist vor Ort, der Bildungsarbeit leistet und den Blick auf Verantwortung gegenüber Tieren lenkt.