Die deutschen Ausfuhren nach China sind im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich zurückgegangen und lagen nur noch bei knapp 37 Milliarden Euro. Damit ist China als Abnehmer für deutsche Waren hinter einigen anderen Partnern zurückgefallen; das Exportvolumen nach China fiel so stark, dass es in der Rangfolge hinter Ländern wie Österreich rangieren kann.
Ursachen des Rückgangs
Analysen der Fördergesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) nennen mehrere Gründe: Eine schwächere Binnenkonjunktur in China, ein verstärktes Bestreben, eigene Wertschöpfungsketten aufzubauen, sowie eine Verlagerung deutscher Produktion in die Volksrepublik, um den dortigen Markt vor Ort zu bedienen. In der Folge sinkt die Nachfrage nach direkten Lieferungen aus Deutschland.
„Das ist ein klares Indiz dafür, dass sich das Reich der Mitte unabhängiger von westlicher Technologie macht und selbst technologisch aufholt“,
kommentierte Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer die Entwicklung. GTAI-Ostasien-Expertin Corinne Abele verwies zusätzlich auf strukturelle Faktoren wie die anhaltenden Probleme im Immobiliensektor und knappe Kassen vieler regionaler Regierungen in China, die Investitionen dämpften.
Wie die Handelsströme aussehen
Trotz des Einbruchs der Exporte nach China stiegen die Importe aus der Volksrepublik: Sie legten um knapp 9 Prozent auf fast 92 Milliarden Euro zu. Insgesamt ergibt sich daraus ein Handelsvolumen zwischen Deutschland und China von rund 128 Milliarden Euro, das damit leicht über dem Volumen mit den USA liegt.
- Ausfuhren nach China: knapp 37 Mrd. Euro (erstes Halbjahr)
- Einfuhr aus China: fast 92 Mrd. Euro
- Handelsvolumen China–Deutschland: rund 128 Mrd. Euro
| Handelspartner | Exporte (H1) |
|---|---|
| China | ~37 Mrd. € |
| USA | ~74 Mrd. € |
| Frankreich | 61,9 Mrd. € |
| Niederlande | 60,1 Mrd. € |
Folgen für Unternehmen und Politik
Für deutsche und auch österreichische Unternehmen bedeutet die Entwicklung, dass Absatzstrategien überprüft und Lieferketten stärker diversifiziert werden müssen. Wenn Hersteller verstärkt in China produzieren, reduziert das den Bedarf an direkten Ausfuhren, wirkt aber zugleich als Standortkonkurrenz für Exportbetriebe in Europa.
Auf politischer Ebene steht die Debatte um die Neuorientierung von „Made in Germany“ wieder im Fokus. Die Exporte insgesamt legten zwar zu — die vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes weisen einen Anstieg der deutschen Ausfuhren um 3,7 Prozent auf fast 817 Milliarden Euro im betrachteten Zeitraum aus —, doch Experten sehen darin auch den Bedarf, Produkt- und Innovationsstrategien weiterzuentwickeln, um im globalen Wettbewerb zu bestehen.
Kurzfristig werden Branchen mit hoher Technologiedichte und Investitionsgüterhersteller besonders betroffen sein. Mittelfristig könnten sich Chancen ergeben, wenn Firmen ihre Produktion in Europa stärken oder sich auf neue Absatzmärkte ausrichten.