Leerstände sinnvoll nutzen statt neue Flächen verbrauchen
Im Bezirk Zwettl rückt die Frage nach sparsamen Flächenverbrauch und belebten Ortszentren weiter in den Fokus. Während das Land Niederösterreich mit dem NÖ Bodenbonus Gemeinden bei der Entsiegelung öffentlicher Flächen unterstützt und bereits rund 40 Projekte gefördert sowie über 100 Gemeinden beraten wurden, verfolgt die Stadtgemeinde Zwettl ihren Weg der Innenentwicklung eigenständig.
Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Franz Mold betont dabei, dass Zwettl derzeit auf die Förderung aus dem NÖ-Programm verzichtet, gleichzeitig aber seit Jahren darauf setze, bestehende Bausubstanz möglichst zu erhalten und nachzuverwenden. Diese Strategie soll sowohl den Wirtschaftsstandort stärken als auch den schonenden Umgang mit Grund und Boden sicherstellen.
„Die Stadtgemeinde Zwettl bezieht derzeit keinen NÖ Bodenbonus. Unabhängig von dieser Förderung verfolgen wir aber seit vielen Jahren das Ziel, bestehende Gebäude und Flächen bestmöglich nachzunutzen, bevor neue Flächen in Anspruch genommen werden. Jede gelungene Betriebsübernahme, Revitalisierung oder Nachnutzung ist aus unserer Sicht ein Gewinn – sowohl für den Wirtschaftsstandort als auch für einen verantwortungsvollen Umgang mit Grund und Boden.“
Konkrete Beispiele aus Zwettl
In der Innenstadt zeigen mehrere Vorhaben, wie Leerstand in neue Nutzungen überführt werden kann:
- Ein zukünftiger Hartlauer-Standort zieht in das frühere Delka-Gebäude und bringt damit wieder gewerbliche Nutzung in die Innenstadt.
- Das neue EVN-Energie-Service-Center eröffnete im ehemaligen Billa-Gebäude und stärkt durch Kundenfrequenz das Zentrum.
- Das Wohnbauprojekt der WAV in der Oberen Landstraße nutzt eine innerstädtische Baulücke: Bis Ende 2027 sollen dort 48 Wohnungen, ein Geschäftslokal und eine Tiefgarage entstehen.
Diese Beispiele führen vorhandene Infrastruktur weiter und vermeiden zusätzliche Versiegelung von Freiflächen am Ortsrand. Für Anrainer und potenzielle Mieter bedeutet das konkret: mehr Wohnraum im Zentrum, kurze Wege zu Geschäften und Dienstleistungen sowie eine mögliche Belebung leerstehender Straßenabschnitte.
Was bedeutet das für die Bevölkerung im Bezirk?
Die Konzentration auf Revitalisierung hat mehrere praktische Effekte:
- Erhalt der Siedlungsstruktur: Ortszentren bleiben lebendig, anstatt durch Zersiedelung zu schwinden.
- Ressourcenschonung: Bestehende Bauten werden wieder nutzbar gemacht, was Flächenverbrauch und Bauaufwand reduziert.
- Lokale Wirtschaftsförderung: Neue Geschäfte und Servicezentren erhöhen die Kundenfrequenz in der Innenstadt.
Für Betroffene – Eigentümer leerstehender Objekte, Gewerbetreibende und Gemeindepolitik – bleiben allerdings Fragen offen: Welche Unterstützung gibt es konkret für private Revitalisierungsprojekte? Wie werden Park- und Verkehrsbedürfnisse bei dichterer Nutzung gelöst? Und wie schnell entsteht der angekündigte Wohnraum in der Oberen Landstraße tatsächlich?
| Projekt | Standort | Wirkung |
|---|---|---|
| Hartlauer | ehem. Delka-Gebäude (Innenstadt) | Wiederbelebung einer Gewerbeliegenschaft |
| EVN-Energie-Service-Center | ehem. Billa-Gebäude | Stärkung der Kundenfrequenz im Zentrum |
| WAV-Wohnbauprojekt | Obere Landstraße | 48 Wohnungen, Geschäftslokal, Tiefgarage (fertig bis Ende 2027) |
Die kommunale Strategie, auf Innenentwicklung zu setzen, ist kein Selbstläufer: Sie erfordert Abstimmung zwischen Gemeinde, Bauträgern und Eigentümern sowie oft kleinere Eingriffe, um Leerstand attraktiv für Nachnutzer zu machen. Dennoch zeigt Zwettl, wie gezielte Nachnutzung vorhandener Bausubstanz zur Stärkung des Ortskerns beitragen kann – ein Modell, das auch für andere Gemeinden im Bezirk relevant bleibt.