Ein Familienhotel am Stadtrand, das sonst im Sommer ausgebucht wäre, spürt es bereits: Buchungen stornieren, Fernreisende bleiben aus. Die offizielle Bilanz von Zürich Tourismus bestätigt das Gefühl vieler Betriebe: Die Zahl der Übernachtungen in der Region Zürich ist im ersten Halbjahr 2026 um 1,4 Prozent gefallen.
Von positiven Monaten zum Rückgang
Nach einem erfreulichen Start in den Monaten Januar und Februar kippte die Entwicklung ab März ins Minus. Als Hauptursache nennen die Verantwortlichen die geopolitischen Spannungen und den Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran. Besonders betroffen sind jene Herkunftsmärkte, deren Flugrouten über den Nahen Osten verlaufen.
Wer bleibt aus, wer kommt noch
Die stärksten Rückgänge verzeichnen Gäste aus Fernmärkten:
- Indien: Rückgang um 27,9 Prozent
- Südostasien: Rückgang um 25,8 Prozent
- Gäste aus den Golfstaaten: ebenfalls deutlich reduziert (keine genaue Zahl im Bericht)
Dagegen zeigte sich Nordamerika mit einem leichten Anstieg von 0,8 Prozent stabil. Einen wichtigen Puffer bildeten zudem inländische und europäische Besucher: Erstmals entfielen im ersten Halbjahr mehr als 40 Prozent der Logiernächte auf Gäste aus der Schweiz. Zuwächse wurden außerdem aus Österreich und Spanien gemeldet.
Auswirkungen über die Hotellerie hinaus
Die Folgen betreffen nicht nur Hotels: In einer Umfrage unter 182 Betrieben berichten auch Gastronomen, Detailhändler und Anbieter von Freizeitangeboten von spürbaren Einbußen. Fast die Hälfte der Unternehmen registriert demnach ein zurückhaltenderes Ausgabenverhalten bei Touristen.
| Markt | Veränderung (H1 2026) |
|---|---|
| Gesamt Region Zürich | -1,4 % |
| Indien | -27,9 % |
| Südostasien | -25,8 % |
| Nordamerika | +0,8 % |
| Schweiz (Anteil) | >40 % |
Ausblick und Erwartungen
Trotz der Rückschläge zeigt sich die Branche zurückhaltend optimistisch: Für die weiteren Sommermonate rechnet eine Mehrheit der Unternehmen mit einer schrittweisen Stabilisierung. Für viele Betriebe dürfte die Entwicklung aber von der weiteren geopolitischen Lage abhängen — und davon, ob Reisende sich wieder sicherer fühlen, die klassischen Langstreckenverbindungen über den Nahen Osten wieder zunehmen und Flugverbindungen planmäßig zur Verfügung stehen.
Für die betroffenen Gastronomen und Hoteliers bedeutet das: kurzfristig flexiblere Angebote und Marketing gegenüber regionalen Gästen, mittelfristig aber auch eine genauere Beobachtung internationaler Buchungsmuster. Die Zahlen zeigen, wie schnell globale politische Konflikte in die lokale Wirtschaft durchschlagen können.