Wiederherstellung eines früheren Feuchtgebiets als klimaangepasste Maßnahme
Im Kanton Thurgau hat die Verwaltung 2022 damit begonnen, ein früheres Feuchtgebiet im Gebiet Gampen in der Gemeinde Berg wieder zu vernässen. Das Areal war Ende des 19. Jahrhunderts trockengelegt und aufgeforstet worden, um es für Holzproduktion und landwirtschaftliche Nutzung nutzbar zu machen. Die Folge: Aus dem einst ausgedehnten Feuchtgebiet blieb nur noch eine kleinere, durch tief liegende Entwässerungsgräben regelmäßig austrocknende Restfläche.
Funktionen von Feuchtgebieten und praktische Umsetzung
Feuchtgebiete erfüllen mehrere ökologische Aufgaben: Sie dienen als Wasserspeicher bei Starkniederschlägen und geben das Wasser danach langsam wieder ab — ein Mechanismus, der sowohl Hochwasserrisiken mindert als auch die Wasserverfügbarkeit in Trockenphasen verbessert. Vor diesem Hintergrund entschied der Kanton, dem Gampen das Wasser zurückzugeben. In einem ersten Schritt wurden zwei Absperrschieber eingebaut, um den Kernbereich zu stauen. Maßgeblich für die Durchführbarkeit waren Vereinbarungen mit den betroffenen Grundeigentümern und Bewirtschaftern.
„Damit hatte es eine seiner wichtigsten Funktionen verloren“,
— sagte Tobias Schmid, Teamleiter in der Abteilung Natur und Landschaft, und verwies auf die Fähigkeit von Feuchtgebieten, bei starken Regenereignissen wie Schwämme zu wirken. Förster Ruedi Lengweiler beschrieb die historische Änderung der Landnutzung: Ende des 19. Jahrhunderts sei der Boden einst zu nass für Holzproduktion gewesen, woraufhin Drainagen gelegt und Wald zumeist angepflanzt wurden.
Tierische Unterstützung: Biber als Akteur der Renaturierung
Unvermittelt trug die Fauna selbst zum Erfolg bei: Ein Einzug des Bibers erhöhte den Wasserspiegel zusätzlich um ungefähr 30 Zentimeter, wie das Forstamt berichtete. Seit diesem Eingreifen sei das Gelände trotz monatelanger Trockenheit an mehreren Stellen weiterhin feucht und es finde sich stellenweise stehendes Wasser — ein Hinweis darauf, dass die Maßnahme Wirkung zeigt.
- Stand der Maßnahmen: Stau mit zwei Absperrschiebern (2022 begonnen)
- Natürlicher Effekt: Ausgleichende Wasserhebung durch einen Biberdamm (+ ca. 30 cm)
- Kooperation: Einigung mit Grundeigentümern und Bewirtschaftern als Voraussetzung
Kontext und Folgen
Das Beispiel Gampen illustriert, wie Renaturierung lokal umgesetzt werden kann: Staatliches Handeln kombiniert mit Eigentümerabsprachen und der natürlichen Dynamik von Arten schafft ökologische Funktionen wieder. Für Regionen mit hohen Trockenheitsrisiken bietet die Wiedervernässung eine kostengünstige, naturbasierte Strategie, um Wasser zurückzuhalten und sowohl die Abflussdynamik als auch die Biodiversität zu verbessern. Gleichzeitig sind solche Projekte kein Allheilmittel: Sie benötigen rechtliche Abstimmungen, Flächensicherung und oft längere Beobachtungszeiträume, um stabile ökologische Zustände zu erreichen.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Ende 19. Jahrhundert | Entwässerung und Aufforstung des Gebiets |
| 2022 | Kanton beginnt mit der Wiedervernässung (Absperrschieber) |
| Ein Jahr nach 2022 | Biber zieht ein, hebt Wasserstand um ~30 cm |
Für Österreich bietet die Geschichte aus Thurgau einen pragmatischen Referenzfall: Renaturierung kann lokale Klimafolgen mildern und Biodiversität fördern, erfordert jedoch Koordination zwischen Behörden, Grundeigentümer:innen und Umweltakteuren — und kann von unerwarteten, positiven Wirkungen wildlebender Arten profitieren.