Im Kraftwerk Ottenstein ist ein weiterer Schritt zur Modernisierung und Kapazitätserweiterung erfolgt: Für die geplante dritte Pumpe wurde zuletzt das zentrale Bauteil, die Pumpenspirale, angeliefert. Die Arbeiten zählen zu den aufwändigeren Eingriffen in das bestehende Bauwerk, weil das rund 30 Tonnen schwere Teil mit hoher Präzision in die vorhandene Technik eingepasst werden muss.
Mehr Pumpleistung, mehr Flexibilität
Mit der neuen Einheit steigt die verfügbare Pumpleistung der Anlage von aktuell etwa 19 Megawatt auf 31 Megawatt. Damit soll das Kraftwerk im Zusammenspiel mit schwankenden Erzeugern aus Sonne und Wind deutlich flexibler werden: Überschüssiger Strom kann verstärkt genutzt werden, um Wasser in den Speichersee hoch zu pumpen; bei Bedarf wird diese gespeicherte Energie über die Turbinen wieder in Strom umgewandelt.
„Ziel ist es, die Pumpkapazität deutlich zu erhöhen, was die Anlage effizienter und flexibler im Zusammenspiel mit erneuerbaren Energien macht“, erklärte EVN-Sprecher Stefan Zach.
Bedeutung für die Region
Das Kraftwerk Ottenstein liefert mit seinen Turbinen heute Energie für rund 20.000 niederösterreichische Haushalte. Insgesamt stehen vier Francis-Turbinen zur Verfügung; jede einzelne ist mit einer Leistung von 12 Megawatt angegeben. Seit längerer Zeit sind bereits zwei Maschinen als Pump- und Turbineneinheiten ausgeführt, wodurch Ottenstein die einzige Pumpspeicheranlage in Niederösterreich ist. Die zusätzliche Pumpe stärkt die Rolle des Standorts als Puffer im Stromnetz.
- Vier Francis-Turbinen, jeweils 12 MW
- Versorgungskapazität: rund 20.000 Haushalte
- Pumpleistung vor Erweiterung: ca. 19 MW, danach: 31 MW
- Gewicht der angelieferten Pumpenspirale: rund 30 Tonnen
Technik, Zeitplan und historische Einordnung
Der Einbau der Pumpenspirale erfordert präzise mechanische Arbeiten, damit das Bauteil in die vorhandenen Schächte und Einbauten passt. Laut EVN sollen die Bauarbeiten planmäßig bis Ende des Jahres abgeschlossen werden. Das Kraftwerk Ottenstein hat eine lange Geschichte: Die ersten Maschinen gingen am 14. Oktober 1956 in Betrieb; am 6. Juli 1957 wurde die Anlage in Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Julius Raab offiziell eröffnet. Nach nunmehr sieben Jahrzehnten wird die Anlage damit modernisiert und an heutige Netzanforderungen angepasst.
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Anzahl Turbinen | 4 Francis-Turbinen |
| Leistung pro Turbine | 12 MW |
| Haushaltsäquivalent | ~20.000 |
| Pumpleistung vorher / nachher | ~19 MW → 31 MW |
Für Bewohnerinnen und Bewohner im Bezirk Zwettl bedeutet die Aufrüstung konkret: ein stabileres Stromnetz bei steigender Einspeisung aus erneuerbaren Quellen und eine gesteigerte Fähigkeit, zeitliche Differenzen zwischen Erzeugung und Verbrauch auszugleichen. Die laufenden Arbeiten sind lokal sichtbar, bringen aber gleichzeitig langfristige Vorteile für Versorgungssicherheit und Integration erneuerbarer Energien.