Wachsende Mobilität durch Umweltgefahren
Seit 2015 wurden nach Angaben des Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) und des Migration Data Portal mehr als 250 Millionen Menschen infolge der Klimakrise vertrieben. Das entspricht im Schnitt rund 70.000 Bewegungen pro Tag. Die Erhebungen zeichnen ein Bild, in dem Naturgefahren wie Überschwemmungen, Stürme, Brände und Dürren zunehmend unmittelbare Mobilität erzwingen – sowohl innerhalb von Staaten als auch, in Kombination mit Armut und Konflikten, über Grenzen hinweg.
Aktuelle Zahlen und Trends
Die jährlichen Daten zeigen deutliche Schwankungen, aber insgesamt einen Aufwärtstrend. Im Jahr 2023 registrierten die Quellen 26,4 Millionen neue Vertreibungen durch klimatische Gefahren, was etwa 56 % der gesamten Binnenbewegungen dieses Jahres entsprach. Für 2025 wird eine noch höhere Zahl genannt: 29,9 Millionen klimabedingte Vertreibungen innerhalb eines Gesamtvolumens von 62,2 Millionen Binnenbewegungen.
| Jahr | Neue klimabedingte Vertreibungen | Anteil an Binnenbewegungen |
|---|---|---|
| 2023 | 26,4 Millionen | 56 % |
| 2025 | 29,9 Millionen | von insgesamt 62,2 Millionen Binnenbewegungen |
| Seit 2015 | >250 Millionen Menschen insgesamt (Durchschnitt ~70.000/Tag) | |
Langfristige Verschiebungen und Schnittstellen von Klima und Gewalt
Die Studien heben hervor, dass ein erheblicher Teil der Betroffenen innerhalb ihrer eigenen Länder bleibt. Gleichzeitig entsteht eine gefährliche Schnittstelle, wo Umweltgefahren auf bewaffnete Konflikte, Armut und institutionelle Schwächen treffen. Der UNHCR‑Bericht „No Escape“ warnt, dass drei von vier Vertriebenen in Staaten leben, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind, und dass die Hälfte in Gebieten lebt, in denen Umweltgefährdungen und bewaffnete Auseinandersetzungen zusammenfallen. Betroffene Beispiele in den Berichten umfassen Länder wie Äthiopien, Haiti, Myanmar, Somalia, Sudan und Syrien.
Zunahme dauerhafter Vertreibungen
Neben kurzfristigen, nach Katastrophen registrierten Bewegungen verzeichnen die Daten auch ein Wachstum bei Menschen, die dauerhaft ihre Wohnorte verlieren. Die Zahl jener, die dauerhaft durch Umweltkatastrophen vertrieben wurden, stieg laut Quelle von 9,8 Millionen im Jahr 2024 auf 13,6 Millionen im Jahr 2025. Diese Entwicklung weist auf längerfristige Zerstörungen von Lebensgrundlagen hin, die nicht einfach durch Rückkehr oder Wiederaufbau ausgeglichen werden.
- Hauptursachen: Überschwemmungen, Stürme, Brände, langanhaltende Dürren
- Regionen mit besonders hohen Zahlen: Asien (Monsun- und Sturmgebiete), Subsahara-Afrika (Dürren), Amerika (Hurrikane, Dürre), kleine Inselstaaten und arktische Gemeinschaften
- Verstärkende Faktoren: Armut, Konflikte, institutionelle Verwundbarkeit
Folgen für Politik und Hilfeplanung
Die Daten unterstreichen die Notwendigkeit, Klimarisiken in Migrations- und Sicherheitsstrategien stärker zu berücksichtigen. Neben kurzfristiger humanitärer Hilfe werden langfristige Maßnahmen erforderlich sein: Schutz von Infrastruktur, Anpassung landwirtschaftlicher Systeme, Stärkung institutioneller Resilienz und integrierte Ansätze, die Umwelt-, Entwicklungs- und Sicherheitsfragen verbinden. Die wachsende Zahl dauerhaft Vertriebener macht deutlich, dass Wiederherstellung und Anpassung in vielen Fällen nicht ausreichen, um Rückkehr oder Wiederansiedlung zu ermöglichen.
Für Österreich und die EU bedeuten solche Trends strategische Herausforderungen: Nationale und europäische Migrations‑ und Klimapolitiken müssen aufeinander abgestimmt werden, Hilfsprogramme sollten Resilienz vor Ort stärken, und internationale Zusammenarbeit bleibt zentral, um humanitäre Notlagen zu bewältigen und präventiv Schäden zu mindern.