Gemischte Lage: Zunahme der Arbeitslosigkeit trifft spezielle Gruppen
Im Bezirk Perg ist die Arbeitslosigkeit im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich gestiegen: Insgesamt verzeichnete das Arbeitsmarktservice Perg 1.202 vorgemerkte Arbeitslose, was einem Anstieg von 9,1 Prozent entspricht. Die Quote liegt damit bei 3,6 Prozent und bleibt unter dem Oberösterreich-Schnitt von 4,9 Prozent.
Die gemeldeten Arbeitslosen setzen sich aus 614 Männern und 588 Frauen zusammen. Auffällig sind starke Zuwächse in einzelnen Alters- und Ausbildungskategorien, die auf strukturelle Verschiebungen am lokalen Arbeitsmarkt hindeuten.
Wer ist besonders betroffen?
Besonders ausgeprägt war der Anstieg bei den Jüngeren: Bei den unter 25-Jährigen meldet das AMS einen Zuwachs von 34,5 Prozent (49 Personen mehr). Auch die über 60-Jährigen waren mit einem Anstieg von 20,7 Prozent (17 Personen mehr) deutlich öfter betroffen als im Vorjahr. Nach Ausbildungsniveau stieg die Zahl der arbeitslos Gemeldeten bei Akademikern um 34,5 Prozent, bei Personen mit höherer Ausbildung um 13,4 Prozent und bei solchen mit mittlerer Ausbildung um 13,3 Prozent. Mit 541 Personen bildet der Pflichtschulabschluss weiterhin die größte Einzelgruppe unter den Arbeitslosen.
„Mit einem Plus von 9,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, belegt der Bezirk Perg im Bereich Arbeitslosigkeit den letzten Platz im OÖ‑Vergleich. Befristete Freistellungen von Arbeitnehmern durch vereinzelte Betriebe sowie mehr Zugänge aus den Bereichen Büro und Handel, sind die Hauptgründe für den Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juni. Positiv ist der Anstieg bei den Stellenzugängen zu sehen, der hauptsächlich in den Bereichen technische Berufe und in der Produktion zu beobachten ist“ — Stefan Gringinger, Geschäftsstellenleiter des AMS Perg
Gleichzeitig: Mehr offene Stellen
Dem gegenüber steht eine erfreuliche Entwicklung beim Stellenmarkt. Beim AMS Perg waren im Berichtsmonat 590 offene Stellen gemeldet. Nach Angaben des AMS kommen die Zuwächse bei den gemeldeten Stellen vor allem aus den technischen Berufen und der Produktion.
- Gesamtzahl der Arbeitslosen: 1.202 (Anstieg +9,1% zum Vorjahr)
- Offene Stellen beim AMS Perg: 590
- Besonders betroffene Gruppen: Unter 25-Jährige (+34,5%), Über 60-Jährige (+20,7%), Akademiker (+34,5%)
Die gleichzeitige Zunahme von Arbeitslosigkeit und offene Stellen deutet auf einen sogenannten Missmatch hin: Es sind Stellen vorhanden, doch passen Qualifikation, Alter oder Berufsfeld nicht immer zu den Anforderungen der Arbeitgeber. Das AMS sieht als Ursachen neben befristeten Freistellungen auch vermehrte Zugänge aus den Bereichen Büro und Handel.
| Kennzahl | Wert | Veränderung zum Vorjahr |
|---|---|---|
| Arbeitslose (gesamt) | 1.202 | +9,1% |
| Offene Stellen | 590 | — |
| Unter 25-Jährige (Anstieg) | +49 Personen | +34,5% |
Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Bezirk bedeutet das: Es bestehen reelle Chancen auf eine Wiedereingliederung in Beschäftigung — vorausgesetzt, Qualifikationen und Berufswünsche stimmen mit den Anforderungen der offenen Stellen überein. Zugleich ist Unterstützung bei Umschulung, Weiterbildung oder bei der gezielten Vermittlung in technischen und produktionsnahen Berufe wichtig, um den Missmatch zu reduzieren.
Für Unternehmen stellt sich die Herausforderung andersherum dar: Obwohl freie Stellen vorhanden sind, finden sich nicht immer passende Bewerberinnen und Bewerber. Maßnahmen wie gezielte Ausbildungspartnerschaften, Anreize für ältere Beschäftigte oder das Schaffen flexibler Arbeitsmodelle könnten die Situation entspannen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob die steigende Zahl der offenen Stellen die Arbeitslosigkeit dämpfen kann oder ob strukturelle Anpassungen notwendig sind, um Menschen im Bezirk Perg wieder in stabile Beschäftigung zu bringen.